Wofür schämen wir uns?

Wofür schämen wir uns?

04. Februar 2021
Warum schämen sich so viele Menschen für ihren Körper, aber so wenige für ihren Charakter?

Dieser Spruch regt mich zum Nachdenken an.

Ich denke dabei sofort an Franz Xaver Winterhalters berühmtes Porträt der Kaiserin Sisi (1865, Öl auf Leinwand). Laut Überlieferungen hat diese Frau sich damals schon exzessiv um ihr Äußeres gekümmert, auf ihre Ernährung geachtet und viel Sport getrieben. Scheinbar kam ihr Charakter dabei ein wenig zu kurz.

 
Wie oft hört man im Gespräch mit anderen Ach, ich muss dringend ein bisschen abnehmen?

Und wie oft hört man Ich muss unbedingt netter werden?

Selbstverständlich, das Äußere ist das, was die anderen zuerst wahrnehmen. Ist ja klar, dass wir unsere vermeintlichen Schönheitsmakel loswerden oder wenigstens verstecken wollen.

 
Wir leben in einer Welt der Selbstoptimierung. Wer nicht an sich arbeitet, wirkt fast schon merkwürdig.

Aber ich habe das Gefühl, dieser Verbesserungswille hat ein neues Level erreicht. Denn vor allem junge Menschen eifern ihren Idolen nicht mehr nur äußerlich nach. Sondern sie lassen sich von Ratgebern und Coaching-Videos erklären, wie sie die Welt wahrnehmen und sich darin bewegen und verhalten sollen, um erfolgreich zu sein. Erfolg wird dabei als Synonym für Glück festgesetzt.

 
Ich bin skeptisch. Und uneinig.

Müssen wir uns überhaupt schämen? Und warum sollten wir uns verändern?

 
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