Augen und Ohren auf

Augen und Ohren auf

26. Juni 2020
 

Janine fragt sich in ihrer Kolumne In Kunst denken, ob man die Welt so wahrnehmen darf, wie in Maria Lassnigs Selbstbildnis Brettl vorm Kopf – 1967, Öl auf Leinwand, 100,5 x 115,5 cm, Sammlung Klewan.

 

Will nicht hören und nicht sehen, das flüstert mir die Figur in Maria Lassnigs Gemälde zu. Sie hat ein Brett vor dem Kopf. Aber selbst ohne Brett: Ich glaube sie hat schlichtweg keine Augen und Ohren.

Ich kann es Maria Lassnig nicht übel nehmen. Bei den Gräueltaten, die auf der Welt tagtäglich geschehen, wünschte ich mir manchmal selbst, dass ich mich einfach in meine Blase zurückziehen und alles an meinem Allerwertesten vorbeigehen lassen könnte.
So läuft der Laden aber nicht.

Da kommen mir sofort die drei Affen aus einem japanischen Sprichwort in den Sinn. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – so soll man mit dem Schlechten in der Welt umgehen.

Ich ertappe mich manchmal selbst. Fast schon ein bisschen arrogant lasse ich mich gar nicht erst auf Diskussionen mit denen ein, die mir nicht so erscheinen, als hätten sie eine konstruktive, auf wertvollen Informationen basierende Meinung.
Aber, Halt! Immer nur Der Klügere gibt nach geht nicht mehr.

Wir haben das Privileg, uns eine eigene Meinung zu bilden und diese zu äußern. Das gilt es zu pflegen. Und dazu gehört ganz klar, Gebrauch davon zu nehmen. Wir sind es denen schuldig, die mühselig dafür gekämpft haben.
Schaut hin! Hört zu! Und dann, sprecht!

Ich bin gegen Gewalt. Aber für sorgfältig gewählte, gewaltige Worte.

 

 

 
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