Sieben Grundgesetze, die so nur in Reutlingen gelten

Sieben Grundgesetze, die so nur in Reutlingen gelten

 

Vergangenes Jahr feierte unser Grundgesetz 70. Geburtstag. Ein stattliches Alter, wenn man mal bedenkt, dass das Grundgesetz ursprünglich nur als Provisorium gedacht war. Wie es sich für einen runden Geburtstag gehört, gab es viele Gratulanten. Auch das Stadtmarketing Reutlingen ließ es sich nicht nehmen, der Verfassung zu gratulieren und ganz nebenbei ein etwas angepasstes Grundgesetz zu veröffentlichen.

Die Idee dahinter waren Reutlinger Klischees – da die Reutlinger doch ein ganz eigenes und besonderes Völkchen sind – lustig verpackt als inoffizielles Grundgesetz zu veröffentlichen. Dass die Grundregeln auf schwäbisch verfasst wurden, brauche ich vermutlich nicht zu erwähnen.

Zwar ist die Veröffentlichung schon fast ein Jahr her, doch deswegen ist es nicht weniger aktuell. Ganz im Gegenteil: Diese sieben Eigenarten der Reutlinger haben schon ewig Bestand und werden auch immer Bestand haben…

 

 

S’Städtle wird gliâbt, abbr s’wird niemols zugäba

Ganz nach dem Motto: It gschimpft isch globt gnuag – Übersetzung für alle Reigschmeckte: Nicht geschimpft ist genug gelobt. Genauso handhaben die Reutlinger die Liebe zu ihrem wundervollen Städtle. Wer auf große Liebeserklärungen hofft, ist fehl am Platz, den reden ist Silber, schweigen ist Gold. Und goldig sind die Reutlinger allemal. Wenn sie nichts sagen, sagen sie quasi mehr als tausend Worte.

 

Bordstoi werdet hochklappt sobald s’dämmrt

In der Fußgängerzone den Sonnenuntergang genießen, ein Weinchen schlürfen und mit Freunden plaudern: die Reutlinger sind ein geselliges Völkle; zumindest solange, bis es dunkel wird. Das Leben zu genießen und zeitgleich pflichtbewusst handeln, ist für die Reutlinger ein leichtes Spiel. Wenn‘s andere störa kennt und es dämmert, werdet die Bordstoi hochklappt. So wie es sich gehört.

Woher diese Redewendung kommt, ist übrigens nicht genau belegt. Wobei sich eine Theorie hartnäckig hält: Bis ins Spätmittelalter gab es in den Städten Viehhaltung und keine Toiletten. Folglich wurde alles vor dem Haus entsorgt. Irgendwann kam man dann auf die Idee, Stege über den Unrat zu errichten. So konnten die Bewohner sauber von Ort zu Ort laufen. Wenn die Stege nicht mehr gebraucht wurden, wurden diese einfach hochgeklappt. Gut zu wissen, gell?

Bruddla bis zom omfallâ, uff’m Bodâ wird weidr bruddlt

Wenn der Reutlinger grantig ist, dann bruddelt er. Das ist eine geräuscharme und doch unmissverständliche Möglichkeit, um den eigenen Unmut anhaltend kundzutun. Diese Verhaltensweise bevorzugt er vor allem, wenn kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht, wenn ihm etwas nicht passt, aber er lautstarken Protest für sinnlos und übertrieben hält. Da meckert der Reutlinger – so a bissle hald. Und wenn er vor lauter bruddla omfällt, na bruddlt er halt aufm Bodâ weiter.

Du siehst: Die Reutlinger sind – nach eigener Aussage – verdammt gut im bruddeln. Klar, dass das auch im Grundgesetz festgehalten werden muss.

 

Engschde Schdrâß, Mutschl, Benz – mir Reidlingr henn’s

Welche Stadt kann behaupten, dass sie mit der engsten Gasse im Guinness-Buch der Rekorde steht? Welcher Flecka ist für sein schmackhaftes Gebäck weit über die schwäbischen Grenzen hinaus bekannt? Und wo wurden die Anfänge des Automobils geschrieben? Dreimal dürft ihr raten: im idyllischen Reutlingen. Da braucht man nichts dazu sagen, denn wie wir bereits gelernt haben: It gschimpft isch globt gnuag.

Das alles wäre – und darauf gehe ich im nächsten Punkt näher ein – ohne des Schwaben liebsten Freund, den Fleiß, nicht möglich gewesen.

 

Onsr Fleiß kommt et d’Echaz nunter gschwomma

Wusstet ihr, dass die Schwaben früher als ausgesprochen faul galten? Ich auch nicht, das habe ich durch meine Recherchen herausgefunden. Das Klischee des fleißigen Schwaben hat sich erst im 19. Jahrhundert festgesetzt. Bis dahin war unser geliebtes Schwabenland alles andere als ein Musterländle. Das Pro-Kopf-Einkommen lag tief unterm Reichsdurchschnitt und weit hinter Baden, Preußen und Sachsen. Nur zwei Landstriche waren ärmer: Hessen und Bayern. Als die Industrialisierung aufkam, war Fleiß eine Form der Armutsbewältigung.

Wer fleißig sein will, muss dafür was tun – versteht sich von selbst.

 

Nach dr Kehrwoch isch vor dr Kehrwoch

Fragt man, was typisch schwäbisch ist, so kommt pauschal meist: Häusle bauen, Bausparvertrag und die Kehrwoch’. Die Kehrwoche geht übrigens auf einen Erlass des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg vom 12. Januar 1714 zurück, der damit die erste Stuttgarter Gassensäuberungsverordnung erließ. Seither kann es bei den Schwaben – und vor allem bei den Reutlingern – nicht sauber genug sein.

 

Onsr gliâbtes Dorfläba in dr Großstadt etablierâ

Reutlingen ist eine Großstadt, die das Dorfleben liebt und lebt. Ist eh viel besser als die kalte, anonyme City. Hier ist die  Herzlichkeit beheimatet – wie im Dorf halt. Jeder kennt Jeden, beim Wochenmarkt wird getratscht und Hilfsbereitschaft für Andere ist selbstverständlich. Eine Stadt, mit tollen Freizeitangeboten und Einkaufsmöglichkeiten, die dabei den dörflichen Charme nicht verloren hat – ganz ehrlich was will man mehr? Ich freu mich auf jeden Fall auf meine nächste Shoppingtour in diesem ganz besonderen Städtle. Ups, war das jetzt ein Lob?  I sag jetzt nix mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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