„Wir müssen dafür sorgen, dass Rassismus endet.“

„Wir müssen dafür sorgen, dass Rassismus endet.“

Eldrid hat uns nach unserem #blackouttuesday-Post auf Instagram angeschrieben und uns in wenigen Worten ihre Sichtweise zum Thema geschildert. Sie ist sich sicher, dass vor allem weiße Menschen mehr über Rassismus sprechen müssen, damit sich etwas bewegt. Denn betroffen von Rassismus seien wir nämlich alle, weil er in uns stecke. Wir haben Eldrid direkt angeboten, einen Gastbeitrag zu verfassen und voilà, hier ist der überaus gelungene und informative Text…

 

Obwohl wir längst Gesetze haben, die Diskriminierung eigentlich verbieten (bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Job beispielsweise), geschieht es jedoch täglich.

Wir brauchen weiße Menschen, vor allem Männer, die sich offen zu ihrem rassistischen Handeln bekennen und dagegen vorgehen. Ich habe das Glück, dass ich in der Lage bin, mich und mein Handeln zu begreifen, zu reflektieren und zu ändern. Das kann nicht jeder Mensch. Wir müssen anfangen, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären und diese Informationen auch allen Menschen zugänglich zu machen.

Aber selbst in Grundschulbüchern ist heutzutage noch das N-Wort zu finden!

Und Rassismus in Schulbüchern ist nur ein Problem. Diskriminierung, veraltete Rollenbilder und patriarchale Strukturen sind leider genauso verankert. Wir müssen gleichzeitig an vielen Schrauben drehen.

Rassismus steckt in jede*m von uns. Das ist soziokulturell gesehen eine Tatsache. Wir können ihn uns aber bewusstmachen, uns sensibilisieren und endlich nicht mehr rassistisch handeln.

Ich habe das Glück, dass ich Bildung genossen habe. Außerdem habe ich als Arbeiterkind das Glück gehabt, studieren zu können – Soziale Arbeit. Und da Selbstreflexion und das Hinterfragen, Anprangern und Verändern starrer, gesellschaftlicher Strukturen zu meinem täglichen Tun und meiner Profession gehört, was läge da näher, als den seit Jahrhunderten in Europa und vielen Teilen der Welt durch Kolonialismus und strukturelle Unterdrückung gewachsenen Rassismus zu thematisieren?

Natürlich klingt das für viele Menschen nicht neu. Oder es ist unbequem, auf jeden Fall ist es das. Und nein, wir persönlich haben weder den Kolonialismus noch den Holocaust vorangetrieben, dafür sind wir etwas zu jung. Wir müssen aber Sorge dafür tragen, dass Rassismus endet.

Rassismus ist nicht zeitgemäß, Rassismus tötet, Rassismus ist, kurz gesagt, schlecht.
Er steckt in uns, ja. Biologisch gesehen zur Arterhaltung. Meine Sippe, deine Sippe. Alles Fremde macht Angst.

Wenn ich Angst habe, habe ich (wieder die Biologie bzw. Psychologie) drei Möglichkeiten: Flucht, Totstellen oder Angriff/Verteidigung. Da wir aber glücklicherweise nicht mehr in Höhlen leben und uns Wissen angeeignet haben, über unser Handeln nachdenken können, kann ich mich in nicht besonders furchterregenden Situationen besinnen und muss der BPOC, die meine Wohnung besichtigen möchte, nicht mit gefletschten Zähnen begegnen. Denn ich weiß, dass eine dunklere Hautfarbe als ich sie habe, nicht bedeutet, dass ich einen gefährlichen Menschen vor mir habe, der mir meinen Job oder meine deutsche Integrität streitig machen möchte. Als ob mir jemand meine Herkunft nehmen könnte und als ob es eine Errungenschaft sei, in Deutschland geboren zu sein und eine helle Haut zu haben.

Wir leben in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen und unser Wohlstand ruht, wie es Hagen Rether mal so schön sagte, auf Leichenbergen.

Dafür tragen wir eine Verantwortung. Angefangen von Kolonialismus, Sklaverei über Waffenexporte in den Nahen Osten und dem Mittelmeer als größter Friedhof des 21. Jahrhunderts.

Just as sexism is not only a ‚women’s issue‘, racism is not only a ‚black issue‘. – Venus Williams.

Joko und Klaas haben vor einigen Wochen mit #männerwelten einigen Menschen sexualisierte Gewalt gegen Frauen verdeutlicht bzw. bewusstgemacht. Hier haben wir jedoch ein ähnliches Problem wie mit POC: Frauen erzählen schon seit Jahren davon, wie sie von Männern behandelt werden. Die Zahlen sind erschreckend, von der Dunkelziffer ganz zu schweigen.

POC erzählen schon seit Jahren davon, dass sie diskriminiert werden. Und was passiert? Belächelt werden sie. Es gäbe kein Rassismusproblem.

In den USA vielleicht, aber deutsche Polizisten sind doch keine Rassisten. Racial Profiling existiere nicht, genauso wenig wie es Agent Provocateurs gebe, die Demonstrationen gezielt eskalieren ließen.

Frauen und POC kommen nicht aus der Opferrolle, wenn nicht die Täter endlich Farbe bekennen.

Wenn Täter nicht endlich sagen „Ja, ich habe mich rassistisch verhalten, ich habe eine privilegierte Stellung (männlich/weiß/beides sein) ausgenutzt, um dich zu unterdrücken“, dann ändert sich da nie was. Und was sagt der weiße Mann stattdessen, wenn er (endlich) mitbekommt, dass schwarze Leben eine Rolle spielen? Er weint und sagt, dass es auch Rassismus gegen Deutsche gibt.

(Ist deshalb jede Form von Rassismus okay? Wie du mir, so ich dir? Nein! Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße!)

Er sagt, dass alle Leben eine Rolle spielen. Er will seine Privilegien nicht verlieren. Verständlich, war es doch bisher sehr einfach und luxuriös für ihn. Verluste tun weh. Aber liegt Minimalismus nicht sowieso im Trend? Durch Corona haben wir doch gelernt, nur das zu kaufen, was wir wirklich brauchen.

Wenn in den Talkshows und Brennpunkten im TV nicht endlich weiße Experten zur Sprache kommen und sich aktiv gegen Rassismus einsetzen und für die Gleichberechtigung aller Geschlechter und Hautfarben, wenn nicht endlich die geltenden Gesetze auch als solche gesehen, geahndet und durchgesetzt werden – kommen wir da nicht raus.

Und ich meine wir: Ich als weiße Frau meine „wir“, weil wir alle eins sind.

 

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