Ausgeliefert im Rollstuhl

Ausgeliefert im Rollstuhl

Wie findet man die richtigen Worte für etwas, was eigentlich kaum in Worte zu fassen ist? Wie kann ich etwas in meine Tastatur tippen, in 300 Worte fassen, was mich mein ganzes Leben lang prägen wird? Es ist ein Augenblick der Gegensätze, des Zwiespalts. Eine so große Sache, die ich in einen so kleinen Rahmen zwängen muss.

Zehn Minuten im Rollstuhl, die sich für immer in mein Hirn eingebrannt haben

Nicole und ich haben bereits vor einem Jahr für SWR Heimat miteinander gedreht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie aufgeregt ich war, weil ich nicht wusste, wie ich mit ihr umgehen soll.  Sie wiederum war noch viel aufgeregter, weil ein Kamerateam zu ihr nach Hause kam. Der erste Moment, in dem wir irgendwie vereint waren. Vereint im selben Gefühl.

Schon damals hat mich Nicole Dinge fürs Leben gelehrt. Hat mir auf ihre freundliche, aber bestimmte Art gezeigt, wie man mit Menschen mit Behinderung umzugehen hat. Ich versuchte alles, was sie sagte, zu verstehen und nachzuvollziehen. Wie es sich aber wirklich anfühlt, im Rollstuhl zu sitzen, sollte ich erst ein Jahr später erfahren.

Nun war es ein Jahr später und Nicole lud mich dazu ein, einmal mit ihrem Rolli durch die Stadt zu fahren

Während sie das sagte, kicherte sie in freudiger Erwartung. Allein geradeaus zu fahren, fühlte sich für mich wie ein Meilenstein an, von der Türschwelle will ich gar nicht erst anfangen. Genau die war es aber, die mir meinen ganz besonderen Augenblick bescherte: Ich war im Tunnel, voll darauf konzentriert, diese kleine Schwelle zu überwinden, als aus dem Nichts eine Frau von hinten kam und mich über die Schwelle schob. Ich war völlig perplex. Weil es die gute Erziehung so verlangt, bedankte ich mich. In mir fühlte ich aber die Wut und das Gefühl von Hilflosigkeit wachsen. Die fremde Frau meinte es nur lieb – das weiß ich. An sich war es auch eine wundervolle Geste. Trotzdem: Ohne es zu wissen, hat mich diese Frau meines Erfolgserlebnisses beraubt.

Entmutigt rollte ich mit Nicole in Richtung Aufzug

Eine Weile saß ich schweigend im Rollstuhl, musste alles erst mal sacken lassen. Was ich da gerade erlebt hatte, muss Nicole jeden Tag mehrmals durchstehen. Sie lächelte: „Jetzt weißt du mal, wie es mir geht.“

Ich bringe dieses Erlebnis zu Papier, weil es mich seit Tagen nicht loslässt

Das Gefühl, das ich währenddessen hatte, ist kaum in Worte zu fassen. Ich bin eine gestandene junge Frau, aber dieser Moment hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Selten habe ich mich so schwach und klein gefühlt.

Aber ich habe eines gelernt: Helfen ist eines der schönsten Dinge dieser Welt; tut das auch weiterhin. Aber bietet demjenigen eure Hilfe zuvor an.

 

 

Wenn dich das Thema brennend interessiert: Am Sonntag, 16. Februar, geht das Video dazu online. Schau doch mal rein, ich würde mich sehr freuen.

 

 

 

 

 

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  • Piercings kann man sich ja inzwischen an jeglichen Stellen stechen lassen - das haben jetzt auch @die_kaecheles rausgefunden 💍
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