Heldinnen des Alltags: Mama Marie

Heldinnen des Alltags: Mama Marie

Oft wissen wir gar nicht, was eine Mama jeden Tag ganz selbstverständlich leistet. Zum diesjährigen Muttertag haben drei Mütter ihren Alltag für uns protokolliert. Der letzte Text stammt von Marie, Mutter des kleinen Lenny.

 

Ich bin seit eineinhalb Jahren alleinerziehende Mama. Seit zehn Monaten ist mein Kleiner auch Halbwaise: Sein Papa ist im Juni 2018 bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen.

Ich selbst bin 33 Jahre jung und arbeite 75 Prozent als Notariatsangestellte in Meßstetten. Mein kleiner Schatz ist zweieinhalb Jahre alt.

Lenny – so heißt mein Schatz – ist für VÖ (Verlängerte Öffnungszeiten) in der Kita Gartenstraße in Albstadt-Ebingen angemeldet, das heißt, dass wir eine Betreuungszeit von 7.30 bis 14 Uhr gebucht haben. Ich habe die Betreuungszeit von der Ganztagsbetreuung auf VÖ heruntergestuft, da mir 380 Euro im Monat als Alleinerziehende zu viel waren. Nun zahle ich nur noch 280 Euro. Da ich 75 Prozent arbeite, ist es ganz schön knackig, täglich alles unter einen Hut zu bekommen. Wenn es gut läuft, fange ich um 8 Uhr an zu arbeiten. Da darf dann aber kein Stinki, Spielzeug aussuchen für die Kita oder sonst was dazwischenkommen. Morgens heißt es öfter mal: „Mama, ich kann das alleine“, „Mama, ich brauch meinen Regenschirm, denn es regnet“, „Mama, ich brauche heute noch dies und das …“

Sobald ich mein Kind schweißgebadet abgeliefert habe, fahre ich zur Arbeit

Das hört sich vielleicht blöd an, aber ich genieße meine Zehn-Minuten-Autofahrt zur Arbeitsstelle. Da kann ich lautstark Musik hören und erst mal runterkommen. Bis dahin bin ich schon seit fast drei Stunden auf den Beinen, da mein kleiner Sonnenschein – egal ob Wochentag oder Wochenende – spätestens um 6 Uhr wach ist. Bei der Arbeit gebe ich bis allerspätestens 13.45 Uhr Vollgas, denn um 14 Uhr muss ich Lenny ja schon wieder abholen.

Bis dahin hat Lenny seinen Mittagsschlaf in der Kita gemacht

Wir sind also quasi startklar für Abenteuer und Erlebnisse. Lenny und ich sind am liebsten draußen unterwegs. Wir lieben die frische Luft, die Natur, den Dreck, die Pfützen und alles, was dazugehört. Für mich als Mama gibt es mit Ausnahme von festlichen Anlässen keine Kleidung, die zu schade ist, um schmutzig zu werden oder kaputtzugehen. Klar habe ich es am liebsten, wenn Lenny die Regenhose anhat, wenn er durch Pfützen rennt – aber die hat man halt ab und zu nicht dabei.

Nachdem wir uns irgendwo ausgetollt und ausgepowert haben, gehen wir heim

Lenny liebt es, zu Hause anzukommen, und braucht dann mindestens 30 Minuten niemanden um sich herum. Er will einfach nur spielen und zu Hause ankommen. Das ist auch so, wenn wir gleich nach der Kita heimkommen. Die Zeit genießt er und ich, wenn ich ehrlich bin, auch. In einer halben Stunde bekomme ich sooo viel erledigt: Wäsche anstellen, Wäsche auf- oder abhängen, den Trockner laufen lassen, den Geschirrspüler aufräumen … Einfach alles irgendwie.

Früher, ohne Kind, da habe ich für alles einfach Zeit gehabt

Da habe ich angefangen, den Geschirrspüler auszuräumen, dann aufs Handy geschaut, dann einen Kaffee rausgelassen, dann aufs Handy geschaut, dann eine geraucht, wieder am Geschirrspüler weitergemacht, dann wieder aufs Handy geschaut und gelesen, dass eine Freundin Zeit hat, sich getroffen, spät heimgekommen. Die Wohnung sah aus wie …, aber das war egal.

Jetzt kann nichts mehr liegen bleiben

Alles beziehungsweise viel wird in der Zeit des Mittagsschlafs erledigt. Der Rest des Haushalts läuft entweder nebenher, wie mal Wäsche zusammenlegen oder eine Trommel anstellen, oder eben wenn Lenny gegen 20 Uhr schlafen geht.

Ich liebe es, Mama zu sein

Ich bin dankbar dafür, dass ich es sein kann und darf. Ich bin dankbar dafür, dass ich einen Arbeitgeber gefunden habe, der es mir ermöglicht, Teilzeit zu arbeiten. Und ich bin sooo megadankbar dafür, dass ich meine Eltern habe, die meinen kleinen Sonnenschein mit betreuen. So ist es mir überhaupt erst möglich, 75 Prozent zu arbeiten.

Jeden Donnerstag ist Omatag

Da holt meine Mama meinen Schatz aus der Kita und unternimmt tolle Dinge mit ihm. Somit habe ich donnerstags meinen langen Tag und arbeite von 8 bis 17.15 Uhr. Auch freitags wird mein Schatz oft von meinen Eltern abgeholt, denn ich habe noch einen Nebenjob, in dem ich jede Woche ein bis zwei Stunden arbeiten sollte. Da bin ich für Personalunterlagen wie Arbeitsbescheinigungen oder Meldungen für die Sozialversicherungen zuständig.

Jaaa, als alleinerziehende Mama hat man es nicht immer einfach

Aber es ist alles machbar. Mit genug Power, Ausdauer und Motivation durch das täglich zufriedene, strahlende und ausgeglichene Kind geht alles irgendwie.

Für mich stand übrigens schon immer fest, dass ich wieder arbeiten gehen möchte, wenn mein Kind ein Jahr alt ist. Meiner Meinung nach schadet es weder dem Kind noch mir, wenn man einen strukturierten Alltag hat. Im Gegenteil: Die Kita hat Lenny sooo gutgetan. Er ist sehr weit, was seine Entwicklung, das Sprechen und die Sozialkompetenz angeht. Als Mama habe ich das Jahr Erziehungszeit natürlich sehr genossen, aber für mich stand fest: Nach einem Jahr brauchen wir beide was Neues beziehungsweise Abwechslung.

Als Mama hat man einen Vollzeitjob, keine Frage

Man hat nie Feierabend, muss immer parat stehen und in jeder Situation sollte man immer richtig und vorbildlich funktionieren. Und den Haushalt sollte man auch nicht vernachlässigen und kochen und einkaufen und, und, und. Aber wer dankt einem das? Klar, das Kind auf jeden Fall. Aber wo bleibt man selbst als Frau? Wo bleibt das Bedürfnis und die Bestätigung, dass man etwas toll gemacht hat? Man muss funktionieren und es dankt einem in dem Moment niemand – denn es ist ja selbstverständlich. Dafür sind wir ja Mama.

Aber für das Selbstbewusstsein und das eigene Wohlbefinden finde ich es richtig, arbeiten zu gehen, meinem Kind von klein auf zu zeigen, dass man arbeiten muss, um sich ein Zuhause, Essen, Eis, Spielzeugautos und alles andere leisten zu können. Mein kleiner Schatz wusste mit nicht mal zwei Jahren, dass er jetzt in die Kita geht, weil Mama arbeiten muss beziehungsweise sollte. Darauf bin ich stolz. Er kennt es nicht anders und wird es auch nie anders kennenlernen.

 

 

 

 

 

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  • Kurz nachgedacht: Schmerzen

Vor einigen Tagen hat mich mein Rücken dermaßen aus dem Alltag gerissen, dass mir nicht anders übrig bleibt, als zur persönlichen Verarbeitung darüber zu schreiben.

Ich tanzte quasi durch die ersten Wochen des neuen Jahrzehntes, bis plötzlich gar nichts mehr ging. Beim Spazierengehen mit meinem Kollegen Heino – während eines konstruktiven Austausches – hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mir jemand leichte Stromstößle in meinen unteren Rücken verabreicht! AUTSCH!

Ein paar Stunden später ging nichts mehr.

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Ich frage mich, wie sich Menschen fühlen, die ständig unter Schmerzen leiden?

Gewöhnt man sich daran? Bestimmt nicht, oder? Die Lebensqualität ist eingeschränkt, die Nerven liegen blank und es tut einfach nur weh. Wie erträgt man das? Ich weiß es nicht.

Darum gilt mein ganz großes Mitgefühl jenen Menschen, die (chronische) Schmerzen haben! Es tut mir wirklich unendlich leid.

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