K.-o.-Tropfen: Wie von Sinnen

K.-o.-Tropfen: Wie von Sinnen

Plötzlich ist alles dunkel. Gerade eben habe ich noch ausgelassen mit meinen Freundinnen auf der Fasnet gefeiert, dann habe ich einen kompletten Filmriss. Am nächsten Morgen wache ich auf. Wobei, nein, es ist weniger ein Aufwachen, mehr ein Wieder-zu-sich-Kommen, nachdem man bewusstlos war. Ich weiß nicht, was in den letzten Stunden passiert ist, aber in mir wächst das dumpfe Gefühl, dass es etwas Schlimmes war.

Was ich hier beschreibe, ist zum Glück rein fiktiv. Ich selbst wurde Gott sei Dank nie Opfer von K.-o.-Tropfen. Doch das Schlimme ist, dass ich einige Menschen kenne, die felsenfest davon überzeugt sind, dass ihnen etwas ins Glas getan wurde. Beweisen können sie das natürlich nicht, doch die Leidensgeschichten sprechen für sich.

Handtellergroße Wunden säumen meine Knie, ich habe blaue Flecken an den Innenseiten der Oberschenkel und am Rücken. Mir tut alles weh. Hingefallen, denke ich mir, während ich meine zerrissene Strumpfhose ausziehe. Dass mir jemand was in den Drink gekippt haben muss, war klar. So fühlt man sich nicht nach einem einfachen Gin Tonic. Was dieser Jemand aber noch getan hat, schwante mir erst, als ein paar Tage später die Albträume anfingen.

„Man sollte sein Getränk immer im Blick behalten und bei offenen Getränken, die einem von Unbekannten spendiert werden, vorsichtig sein“, rät mir Kriminalhauptkommissar Lothar Rieger vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Tuttlingen. Denn dem Getränk könnten unbemerkt K.-o.-Tropfen hinzugefügt worden sein. Oft handelt es sich dabei um GHB (Gammahydroxybutyrat), auch bekannt als Liquid Ecstasy. Es werden aber auch andere farb- und geruchlose Medikamente und Beruhigungsmittel verwendet.

Ein leichtes Opfer

Fälle von K.-o.-Tropfen sind nicht einfach für die Polizei. Oft waren die Opfer schon vor der Einnahme völlig betrunken und/oder hatten Drogen zu sich genommen. „In solchen Fällen ist dann oft die Frage, ob Tropfen im Spiel sind“, seufzt Lothar Rieger. Abgesehen davon sind Betrunkene und unter Drogen Stehende ein beliebtes Ziel für die Täter. Denn wer sich zuvor schon mit Alkohol, Cannabis oder Amphetaminen ins Aus geschossen hat, leistet wenig Widerstand.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Stoffe meist schwer nachweisbar sind – der Körper baut sie innerhalb weniger Stunden ab.

Wenn etwas vermeintlich Harmloses lebensbedrohlich wird

Doch was mich am meisten schockiert hat, ist die Tatsache, dass einen K.-o.-Tropfen sogar das Leben kosten können. Eine zu hohe Dosis, aber auch die Mischung aus Alkohol, Drogen und K.-o.-Tropfen kann zu Ersticken durch Atemlähmung führen.

Wie kann man sich davor schützen?

Dazu müsst ihr eigentlich gar nicht viel beachten. Bestellt euer Getränke ausnahmslos bei der Bedienung und nehmt es immer selbst entgegen – und nehmt vor allem von Unbekannten keine offenen Getränke an. Grundsätzlich solltet ihr euer Getränk nie unbeaufsichtigt lassen. Bittet eure Freunde darum, dass ihr aufeinander Acht gebt. Kriminalhauptkommissar Rieger schlägt außerdem vor, das Getränk vor dem Toilettengang einem Freund zu geben, es auszutrinken oder ganz einfach mitzunehmen.

Was tun, wenn man etwas im Getränk hatte?

Solltet ihr bemerken, dass etwas nicht mit euch stimmt – euch ist übel oder schwindelig, ihr spürt motorische oder psychische Auffälligkeiten, die ihr euch nicht erklären könnt –, dann bittet sofort eine Freundin, einen Freund oder das Personal um Hilfe. Erhärtet sich der Verdacht, dass nicht der Alkohol der Grund sein kann, solltet ihr unbedingt einen Krankenwagen und die Polizei rufen. Je schneller ihr reagiert, deso wahrscheinlicher kann eine Substanz im Blut oder im Urin nachgewiesen werden.

Mit all dem spreche ich übrigens nicht nur Frauen an – auch viele Männer werden Opfer von K.-o.-Tropfen. Die Täter wollen ihrem Opfer oft entweder sexuelle Gewalt antun oder es ausrauben.

Das größere Problem ist der Alkohol

Ich weiß, wenn man unterwegs ist und Spaß hat, ist man gerne etwas leichtsinnig, und da nehme ich mich selbst nicht aus. Aber nach dem Gespräch mit Lothar Rieger habe ich mir wirklich vorgenommen, nicht mehr so nachlässig zu sein. Bei meiner Recherche ist mir erst klar geworden, wie furchtbar die Sache mit den K.-o.-Tropfen ist, und gerade große Feste wie die Fasnet sind prädestiniert dafür.
Lothar Rieger hat zwar Entwarnung für unseren Kreis gegeben – hier sei eher, und das wieder besonders an der Fasnet, der Alkohol das Problem. Aber auch er sagt: Man kann niemals vorsichtig genug sein!

 

Kriminalhauptkommissar Lothar Rieger, Referat Prävention des Polizeipräsidiums Tuttlingen, Telefonnummer: 07433/264-131. Solltet ihr euch nicht gleich an die Polizei wenden wollen, könnt ihr auch einen Anwalt, einen Arzt oder den Weißen Ring aufsuchen.

 

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