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    Weltverbesserer #2 – Lebensmittel teilen statt wegwerfen

    Weltverbesserer #2 – Lebensmittel teilen statt wegwerfen

    Weltverbesserer #2 – Lebensmittel teilen statt wegwerfen

    Ein Wunderfitz ist eine sehr neugierige Person, die überall ihre Nase reinsteckt. Tja, das scheint mich – die Maya – wohl perfekt zu beschreiben. Denn ich will die Geschichten hören, die in unserer Heimat stecken. In jeweils drei Teilen schreibe ich über Menschen, deren Geschichten uns bewegen. Manche bringen uns zum Lachen, andere machen uns wütend oder nachdenklich. In jedem Fall sind sie erzählenswert. Diesen Monat dreht sich alles um: Weltverbesserer. Wer die sind? Zum Beispiel die Foodsharing-Gruppe Albstadt.

    Essen teilen – das macht doch jeder irgendwie auf seine Art. Ist noch was vom großen Familienessen übrig, werden die Reste in Alufolie gepackt und den Familienmitgliedern mitgegeben. Backt man am Wochenende einen Kuchen, bringt man dem Nachbarn ein Stückchen vorbei.

    Das alles ist schön und gut – und trotzdem nicht genug. Denn allein in Deutschland werden jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll geworfen. Vieles davon wäre noch genießbar.

    Das muss man erst mal sacken lassen

    Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger vor euch stehen, denn ich bin selbst kein Stück besser. Ich mag keine Bananen, die ein wenig angebräunt sind. Ich esse keinen Joghurt, dessen Verfallsdatum um eine Woche überschritten ist. Und vor allem koche ich immer zu viel Reis oder Nudeln und schmeiße den Rest in den Abfall.

    Ich oute mich hiermit also als absolut verschwenderisch

    Umso beschämter war ich bei meinem Treffen mit Nadine Beier und Jeanette Haug. Die beiden sind Teil der Foodsharing-Gruppe Albstadt und sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, gegen die Lebensmittelverschwendung zu kämpfen.

    Foodsharing bezeichnet eine deutschlandweit verbreitete Initiative. Mehr als 40.000 ehrenamtliche Foodsaver – so nennen sich die Helfer – sind über die Website der Initiative angemeldet und retten etliche Tonnen Lebensmittel vor dem Mülleimer. Das Konzept ist einfach: Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder die sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkaufen lassen, werden in Kisten gepackt und zur Abholung bereitgestellt. Foodsaver wie Nadine und Jeanette holen sie ab, stellen sie in ihre Lagerräume und geben sie kostenlos an jeden weiter, der vorbeikommt.

    Lebensmitteln eine zweite Chance geben

    Bisher dachte ich, dass Foodsharing eher in Großstädten betrieben wird. Umso schöner ist es zu sehen, dass auch auf dem Land immer ökologischer gedacht wird. Bisher zählt die Albstädter Gruppe acht Leute. Zu wenig, wie Nadine und Jeanette finden. Will man Kooperationen mit größeren Betrieben eingehen, braucht man mehr Leute, die die Lebensmittel abholen, und mehr Empfänger, an die man sie weitergeben kann.

    Die bisherige Gruppe ist bunt gemischt, von Studenten und Azubis über Mütter bis hin zu Selbstständigen. Alle vereint der Gedanke, dass übrig gebliebenes Essen nicht gleich weggeschmissen werden muss, sondern geteilt werden kann – und dass man damit auch noch etwas für die Umwelt tut.

    Die persönlichen Erlebnisse bringen einen zum Teilen

    Nadine beispielsweise lebte in einem Wohnheim mit 20 Mitbewohnern. Fuhr man in den Ferien in die Heimat, warf man die Lebensmittel, die noch im Kühlschrank lagen, einfach in den Müll. „Da fehlte irgendwie das Bewusstsein“, stellt die Studentin fest. Übers Internet wurde sie auf die Foodsharing-Gruppe aufmerksam. „Ich mach das ein bisschen aus Eigennutz“, sagt Nadine. „Man tut etwas Gutes und kriegt nebenbei auch noch kostenlos Lebensmittel.“ Sie lacht.

    Für Jeanette machen vor allem die kleinen Momente den Spaß am Teilen aus. Für ihre Kinder kaufte sie die Schokoladenpizza eines bekannten Lebensmittelherstellers. Gleich vier Stück. Doch dem Nachwuchs schmeckte die überhaupt nicht. Jeanette bot die Tiefkühlpizzen auf Facebook an – eine halbe Stunde später holte eine Frau alle ab. „Die hat sich darüber riesig gefreut“, erzählt Jeanette freudestrahlend.

    Eines betonen die beiden Frauen aber mehrmals: Die Foodsharing-Community ist keine Konkurrenz zur Tafel. Diese geht immer vor, vor allem bei den Betrieben selbst, die übrig gebliebene Lebensmittel weitergeben.

    Lebensmittel wieder richtig wertschätzen

    Für mich ist es ein schöner Gedanke, der die Community antreibt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir alle auf unsere Art viel zu verschwenderisch mit Lebensmitteln umgehen. Oder wenn man es drastisch ausdrücken will: Woanders verhungern sie und wir werfen leckeres Essen einfach in den Abfall.

    Schneiden wir uns doch alle eine Scheibe von Nadine und Jeanette ab. Wir müssen ja nicht gleich Mitglied in der Foodsharing-Gruppe werden. Wir können auch so unser Essen teilen. Wenn ihr also in den Urlaub fahrt, müsst ihr nicht den gesamten Inhalt des Kühlschranks in die Tonne werfen. Ihr könnt stattdessen auch bei Freunden oder Nachbarn anklopfen und sie fragen, ob sie etwas davon haben möchten. Oder es ganz einfach in die Facebookgruppe der Albstädter Foodsharer stellen.

    Denn wir alle tragen einen kleinen Teil dazu bei, dass die Welt ein besserer Ort wird. Das findet auch Jeanette. „Ich würde uns schon als Weltverbesserer bezeichnen, meine Welt verbessere ich auf jeden Fall“, sagt sie und lacht laut.

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