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    Kurt und sein Blindenführhund

    Unsere Maya hat mit Kurt Brei, Besitzer eines Blindenführhundes, über den Welthundetag gesprochen. Herausgekommen ist eine bewegende Story, die sich vor allem um seinen vierbeinigen Freund, aber auch um noch so viel mehr dreht.

     

    Ich weiß nicht, was ich zu Papier bringen soll. Ich will etwas schreiben, über ein Telefonat, das mich so sehr beeindruckt hat – und ich weiß einfach nicht wie. Unzählige Male habe ich angefangen, bis ich dann bei der Hälfte des Textes zu dem Entschluss kam, dass er der Person und dem Thema nicht gerecht wird.

    Dabei wollte ich euch gleich mit meinem ersten Satz abholen, euch fesseln. Ich wollte, dass ihr lachen müsst und Gänsehaut kriegt. Dass ihr nach dem Lesen ebenso beeindruckt seid, wie ich es bin. Aber wie?

    Als ich es gerade als Schreibblockade abtun und den Laptop zuklappen wollte, wurde mir etwas klar: Wir sind ein Blogazine. Wir wollen authentische Geschichten erzählen und euch dabei unsere eigenen Gefühle vermitteln. Warum fällt es mir dann so schwer, es genau so zu beschreiben, wie es ist? Nämlich, dass Kurt Brei mich sprachlos gemacht hat.

    Aber lasst uns von vorn anfangen

    Petra und ich saßen zusammen und planten die Blogbeiträge für die nächsten Wochen. Am 10. Oktober ist Welthundetag und wir beschlossen, einen passenden Text dazu zu schreiben. Petra konnte mir dafür über ein paar Ecken den Kontakt zum Besitzer eines Blindenhunds vermitteln.

    Zwei Tage später rief ich Kurt an. Wir waren beide gut drauf, wünschten uns einen guten Morgen. Er war lustig und charmant und das auf eine angenehme Art und Weise. Wir gingen gleich zum Du über. Und Kurt stellte klar: Ich darf ihm jede Frage stellen, auch wenn ich mich erst nicht traue.

    Wer ist Kurt?

    Kurt Brei ist Stadtrat in Nagold. Und er ist der einzige blinde Lokalpolitiker in Baden-Württemberg. Außerdem ist er der Gründer der Aktiven Selbsthilfegruppe Miteinander für Behinderte und Nichtbehinderte e. V., kurz A.S.M. Gemeinsam mit seinem Labradoodle Lando tritt er in ganz Deutschland auf.

    Er wurde nicht blind geboren. Mit 17 Jahren erlebte er einen dramatischen Verkehrsunfall. Sein Bruder, gerade frisch 18 geworden, saß am Steuer. Das Auto überschlug sich mehrmals. Kurt wurde durch die Windschutzscheibe hinausgeschleudert und prallte mit dem Kopf gegen einen Baum. Das Fahrzeug landete auf ihm. Danach lag er lange im Koma. Als er aufwachte, erfuhr er, dass er sein Augenlicht für immer verloren hatte. Unter ihm tat sich ein Loch auf.

    Er war suizidgefährdet. Viele Monate verbrachte er im Krankenhaus und in der Rehaklinik – immer mit der einen Frage im Kopf: Warum ich? Erst die Begegnung mit einem Rollstuhlfahrer brachte ihn zurück ins Leben. „Schieb mich”, sagte der zu dem blinden Kurt, „und ich sage dir, was ich sehe.“ Von da an kämpfte sich Kurt zurück ins Leben.

    In einer Blindenschule machte er eine Ausbildung zum Telefonisten. Und merkte ziemlich schnell, dass es nicht sein kann, dass er nur noch unter Blinden verkehrte. Er wollte frei sein, schaffte sich einen Blindenführhund an, trainierte viel, um selbstständig leben zu können. Und gründete eine Selbsthilfegruppe.

    Kurt hat es geschafft. Er hat sich ins Leben zurückgekämpft. Und eigentlich sollte jetzt Schluss sein mit den Schicksalsschlägen. Doch für ihn beginnt die schlimmste Zeit seines Lebens erst später: 2014 verunglückt sein Sohn tödlich, 2016 nimmt sich sein Bruder das Leben.

    „Jeder hätte es verstanden, wenn ich danach im Selbstmitleid versunken wäre”, sagt Kurt. „Aber Gott hat was mit mir vor, sonst hätte er mich schon lange geholt. Der denkt sich bestimmt: Den Revoluzzer lassen wir lieber da unten, der würde hier oben viel zu viel Chaos anrichten.“ Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

    Lando ist sein fünfter Blindenführhund

    Als wir während des Telefonats auf Lando zu sprechen kommen, merkt der das natürlich sofort. Kurt erzählt mir gerade, was für ein guter Partner der Hund ist, als er mitten im Satz abbricht und lacht. Lando steht neben ihm, erzählt er, und stupst ihn immer wieder mit der Schnauze an.

    Vor einem Jahr erlitten die beiden einen schweren Verkehrsunfall. Ein Autofahrer übersah Kurt und seinen tierischen Kumpel und erwischte die beiden. Erst im Krankenhaus kam Kurt wieder zu sich. Dem Autofahrer hat er natürlich längst verziehen. Trotzdem hatten Kurt und Lando noch lange daran zu knabbern. Der Hund tat sich schwer damit, dass er alles richtig gemacht hatte und sein Herrchen dennoch verletzt wurde. Auch Kurt musste erst wieder lernen, angstfrei über eine Kreuzung zu gehen. Inzwischen seien die beiden aber wieder ein richtig gutes Team, erzählt mir Kurt nicht ohne Stolz.

    Ein Hund mit Charme

    Kurt weiß, dass sein Partner ein hübscher Kerl ist, aber genau das wird ihm manchmal zum Verhängnis. Nicht selten kommt es vor, dass fremde Menschen den Hund streicheln. Das lenkt Lando aber von seiner Arbeit ab: sein Herrchen sicher durch die Welt zu führen. Denn jede Ablenkung bedeutet Gefahr für den Halter.

    Kurt vergleicht das mit einer Mutter und ihrem Baby. Wenn die mit ihrem Kinderwagen durch die Straßen läuft, möchte sie auch nicht, dass fremde Menschen den Kopf in den Wagen stecken und das Kind streicheln. Nicht anders ist es mit Lando, deswegen trägt der Hund an seinem Geschirr eine Plakette, auf der steht: „Nicht streicheln, ich arbeite.“

    Sein Hund bedeutet Freiheit

    Den Welthundetag will Kurt dafür nutzen, den Tieren für ihren Dienst zu danken, denn es werde zu wenig gezeigt, was die Vierbeiner für den Menschen tun. Auch mit seiner Behinderung will Kurt draußen aktiv sein und sein bester Freund Lando ermöglicht ihm das erst. „Mein Lando ist meine Freiheit, mein Kumpel, mein Seelentröster und vor allem meine Augen auf vier Pfoten.“

     

     

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