Fleischlos glücklich

Fleischlos glücklich

Vegetarismus – es gibt wohl wenige Themen auf dieser Welt, über die so sehr gestritten wird wie über den Verzicht auf tierische Produkte. Dabei gibt es gute Gründe, sich für den vegetarischen oder auch veganen Lebensstil zu entscheiden. Unsere Lektorin Miri hat’s schon getan: Sie lebt seit acht Jahren vegan.
Aber wie ist das bei euch? Zum heutigen Welt-Vegetariertag haben wir einen Aufruf gestartet: Wir wollten wissen, warum ihr fleischlos glücklich seid. Das sind eure Antworten:

Petra, 49 Jahre alt, aus Winterlingen

„Vor etwa 20 Jahren habe ich im Stern einen Bericht über Massentierhaltung gelesen. Die Bilder waren so schrecklich, dass ich mich spontan entschied, kein Fleisch mehr zu essen. Seither habe ich es auch nie wieder getan – obwohl die ersten Jahre schwer waren. Hähnchen und Fleischkäswecken haben mich immer wieder auf eine harte Probe gestellt.

Dass das Elend in der Milchindustrie aber genauso gnadenlos weitergeht, war mir durchaus bewusst und die logische Konsequenz war die absolut vegane Ernährung. Das habe ich aber lange herausgezögert. Erst als meine Tochter – sie ist seit ihrem neunten Lebensjahr Vegetarierin – mir verkündet hat, dass sie nun Veganerin ist, und gefragt hat, ob ich mitmachen möchte, habe ich mich dazu durchgerungen, es auch zu versuchen. Das ist nun über zwei Jahre her und ich habe es nicht bereut.

Unsere Blutwerte zum Beispiel (ich hatte immer erhöhtes Cholesterin) sind absolut super! Dabei haben wir es beide nie aus gesundheitlichen Gründen gemacht. Es fehlt uns an nichts.
Ich weiß, dass ich nichts am Weltgeschehen ändere, aber ich fühle mich einfach wohler, wenn ich mich nicht in der Verantwortung sehen muss, am Leid so vieler Lebewesen schuld zu sein.“

 

Julian, 26 Jahre alt, aus Bad Saulgau

„Ich lebe seit über einem Jahr vegetarisch beziehungsweise überwiegend vegan. Davor war ich Flexitarier, habe also nur ein- bis zweimal in der Woche tierische Produkte oder Fleisch zu mir genommen.
Der Grund war der Sport: Eine vegetarische Ernährung macht einen leistungsfähiger, da sich die Nahrung schneller verdauen lässt und die Energie schneller verfügbar ist. Durch eine pflanzliche Ernährung sind alle Vitamine abgedeckt. Außerdem macht es Spaß, sich mit der Ernährung auseinanderzusetzen, um bewusst zu wissen, was man isst und welche Nährstoffe das Gericht hat. Man bekommt ein besseres Gefühl für Kalorien und ernährt sich bewusster. Außerdem bin ich durch die vegetarische beziehungsweise vegane Ernährungsweise deutlich leistungsfähiger geworden.“

 

Jochen, 37 Jahre alt, aus Sulz am Neckar

„Vor etwa 13 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, Vegetarier zu werden. Seit Juli 2013 lebe ich vegan. Ein guter Freund von mir wurde Veganer und ich habe mir gedacht, wenn er das schafft, dann versuche ich das auch mal für zwei Wochen. Schon in diesen Testwochen wurde mir bewusst, dass es – im Gegensatz zu meinen Befürchtungen – absolut leicht ist, sich ausschließlich vegan zu ernähren. Hinzu kam, dass ich mich innerhalb kürzester Zeit besser fühlte.

Ein bisschen schwieriger wurde es in meinem Umfeld, was ich aber im Nachhinein als Glücksfall betrachte. Dadurch, dass ich offensiv mit dem Thema umging, kam es zu einigen Diskussionen. Diese sorgten dafür, dass ich mich in das Thema noch mehr eingelesen habe und auch mit den ethischen Argumenten in Kontakt kam.

Da ich mich nicht nur auf die veröffentlichten Recherchen verschiedener Tierrechtsorganisationen verlassen wollte, habe ich auch öfter die Gelegenheit genutzt und im Zuge sogenannter „gläserner Produktionen“ verschiedene Bauernhöfe besucht. Zwar gab es dort keine Missstände, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, was mich jedoch mehr erschüttert hat, war, wie grausam die Produktion tierischer Lebensmittel ist, die als normal angesehen und hingenommen wird. Zum Beispiel das Töten der männlichen Kälber und Küken für Milch und Eier, das Enthornen der Kühe, das Abschleifen der Zähne und das Abschneiden des Ringelschwanzes bei Schweinen. Die extrem kurze Lebenszeit teilen sich alle Tiere, die wir nutzen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Tiere genauso an ihrem Leben hängen wie wir Menschen und dass es genauso ein Unrecht ist, diese Tiere zu quälen, auszubeuten und zu töten, wie es ein Unrecht ist, es einem Menschen anzutun.

Gerade in der heutigen Zeit ist es so einfach, vegetarisch oder vegan zu leben, dass es absolut unnötig ist, so viel Leid unter unseren Mitgeschöpfen anzurichten. Die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile einer veganen Ernährung sind für mich deshalb eher zu positiven Nebeneffekten geworden.”

 

Vanessa, 20 Jahre alt, aus Balingen

„Ich bin seit vier Jahren, also seit meinem 17. Lebensjahr, Vegetarierin. Wie bin ich dazu gekommen? Als meine Familie anfing, ihre Ernährung umzustellen, und sich um eine gesunde Lebensweise bemühte, bin ich einfach mit eingestiegen. Anfangs – über zwei, drei Wochen – habe ich manchmal vergessen, dass ich doch eigentlich vegetarisch essen wollte. Doch danach hatte ich sogar eine vegane und dann eine rohvegane Phase. Das war leider nur von kurzer Dauer, da mir das im Alltag zu aufwendig war.

Doch für mich war und ist es moralisch nicht mehr vertretbar, Tiere zu essen. Wir leben im Wohlstand und können gut darauf verzichten.

Vegetarier-Gegner verstehe ich nicht. Leben und leben lassen heißt es doch! Warum dann Menschen anfeinden, die keine Tiere essen wollen? Die zum Beispiel Massentierhaltung nicht unterstützen wollen?

Ich appelliere gerne an Menschen, die sich für das Thema interessieren, jedoch gilt auch für mich: Leben und leben lassen.“

 

Sigrid, 58 Jahre alt, aus Dormettingen

„Ich bin seit Januar Vegetarierin, weil ich es nicht mehr unterstützen möchte, dass Tiere wie Massenware produziert werden und ihr Leben nichts wert ist. Außerdem möchte ich nicht verantworten, wie diese Tiere im Schlachthof geschlachtet werden und mit welcher Brutalität und Rohheit dort mit Lebewesen umgegangen wird. Außerdem möchte ich auch nicht der Grund dafür sein, dass Lebewesen bei vollem Bewusstsein überbrüht und gehäutet werden. Eben daran wäre ich nämlich beteiligt, wenn ich Fleisch von auf diese Art und Weise geschlachteten Tieren essen würde. Aus diesem Grund ernähre ich mich seit diesem Jahr überwiegend von Obst und Gemüse, ergänzt mit Hülsenfrüchten, Eiern, Kartoffeln und Nudeln.

Ich bin auch kein Konsument von sogenannten Ersatzprodukten. Ich habe mich ganz bewusst für eine fleischlose Ernährung entschieden und dann möchte ich auch kein Schnitzel, das kein Schnitzel ist, und auch keine Wurst, die zwar nach Salami schmeckt, aber keine Salami ist. In diesen Produkten sind mir zu viele Zusatz- und Ersatzstoffe sowie Geschmacksverstärker enthalten.

Um in Sachen Nachhaltigkeit meinen Teil beizutragen, kaufe ich Obst und Gemüse ausschließlich bei regionalen Produzenten im Hofladen oder ernte voller Freude im eigenen Garten.“

 

Meike, 49 Jahre, aus Tübingen

„Ich habe mir schon als Kindergartenkind Gedanken darüber gemacht, woher das Fleisch auf meinem Teller kommt, und wollte fortan kein süßes Kälbchen oder Häschen mehr essen. Zuerst habe ich – zum Leidwesen meiner Familie – kein Stückchen Fleisch mehr gegessen. Nach und nach hab ich auch auf alles Weitere wie Fleischbrühe oder Gelatine verzichtet. Mit elf Jahren habe ich mich dann offiziell als Vegetarierin bezeichnet.
Anfangs war es echt schwierig, weil der Vegetarismus überhaupt nicht verbreitet war. Inzwischen lebe ich seit über vier Jahren vegan. Zum Teil muss ich immer noch mit den gleichen Problemen kämpfen wie damals. Aber es wird immer besser – besonders in der Tübinger Idylle, in der es einem echt leicht gemacht wird.
Ich bin wirklich froh und auch etwas stolz, dass ich das seit Jahrzehnten durchziehe und somit meinen Beitrag zu Tier- und Umweltschutz sowie zur Ökologie leiste!“

 

Anne, 23 Jahre, aus Bern

„Meine Großeltern hatten einen Bauernhof, wo ich als Kind oft zu Besuch war. Als ich dort einmal Hühnchen gegessen habe, fragte mich mein Opa, ob mir bewusst sei, dass ich gerade die Frida – so hieß das Huhn – esse. Bereits da hab ich meinen Fleischkonsum infrage gestellt. Mit 15 Jahren sah ich mir dann einige Dokumentationen zum Thema Viehhaltung an. Ab da war mir klar, dass ich das nicht weiter unterstützen möchte.
Allgemein bin ich der Auffassung, dass die Menschen das Gefühl für ihren Fleischkonsum verloren haben. Es ist schon erschreckend, dass im Supermarkt riesige Mengen von Fleisch vorhanden sind, wir das einfach kaufen und dabei total vergessen, dass das eigentlich ein Lebewesen war, das dafür sterben musste.
Aber auch Produkte wie Tofu versuche ich zu vermeiden. Der Anbau von Soja ist ebenso schädlich für die Umwelt wie die Massenaufzucht von Tieren.“ [Anm. #imländle: zu diesem Aspekt s. unsere Linksammlung am Ende des Artikels]

 

Marie, 20 Jahre alt, aus Konstanz

„Meinen Weg zum Veganismus habe ich – wie so viele andere – über eine jahrelange vegetarische Ernährung gefunden. Seit ich mich erinnern kann, habe ich selten bis gar kein Fleisch gegessen. Während andere Kinder keinen Spinat mochten, konnte ich einfach nie Gefallen am Geschmack von Fleisch finden.
Zusätzlich zum Fleisch dann auch noch auf jegliche andere tierische Produkte zu verzichten war eine Entscheidung, die ich vor circa eineinhalb Jahren getroffen habe. Zuerst waren meine Beweggründe relativ selbstbezogen, da ich viel darüber gelesen habe, dass eine milchproduktfreie Ernährung gut für die Haut sein soll.
Nach einer Weile habe ich mich dann auch vermehrt mit den ethischen Hintergründen des Veganismus beschäftigt und fühlte mich dadurch in meiner Ernährungsumstellung nur weiter bestätigt. Mir wurde klar, dass ich es nicht länger mit meinem Gewissen vereinbaren kann, mich zwar als Tierliebhaber zu präsentieren, aber dennoch am Leid einiger Lebewesen durch meine Kaufentscheidungen im Supermarkt teilzuhaben. Ich konnte vor mir selber nicht mehr rechtfertigen, warum ich meine eigene Katze auf Händen trage, aber anderen Tierarten durch meinen Verzehr von Milch und Eiern ein Leben unter grausamen Bedingungen zumute. Ich habe irgendwann einfach beschlossen, dass ich meinen Genuss nicht über das Leben anderer Lebewesen stellen möchte.
Außerdem muss man – meiner Meinung nach – auf gar nicht so viel verzichten, wie viele vielleicht befürchten. Man gewinnt meiner Meinung nach sogar eher dazu. Ich bin seit meiner Ernährungsumstellung zum Beispiel viel experimentierfreudiger, wenn es ums Kochen geht, da viele traditionelle Gerichte einfach nicht mehr infrage kommen. Zudem fühle ich mich auch gesundheitlich um einiges besser.
Zusammenfassend lässt sich für mich persönlich sagen, dass ich an allen Fronten nur Vorteile am Veganismus erkennen kann. Ich bin im Einklang mit meinem Gewissen gegenüber Tieren, der Umwelt und meiner Gesundheit.
Ich hoffe, dass der Bericht meiner persönlichen Erfahrungen zumindest bei ein paar Leuten ein Umdenken in ihrem Verhalten und ihren Kaufentscheidungen bewirkt. Und wenn es nur ein fleischloser Tag in der Woche ist.“

 

Anastasia, 25 Jahre alt, aus Albstadt

Ich esse seit etwa zwei Jahren kein Fleisch mehr und ernähre mich zurzeit hauptsächlich vegan. Angefangen hat alles mit einem Experiment: Eines Tages merkte ich, dass tierisches Fett meiner Verdauung nicht guttut, und ließ es für etwa zwei, drei Wochen weg. Danach aß ich wieder Fleisch und merkte sofort den Unterschied: Ich fühlte mich plötzlich schwer und träge. Danach war mir klar, dass Fleisch nichts für meinen Körper ist. Dieses Experiment kann ich jedem empfehlen.

Heute gruselt mich allein die Vorstellung, totes Gewebe meinem Körper zuzuführen. Der Spruch ‚Man ist, was man isst‘ bringt da einen schon zum Nachdenken. Pflanzliche Ernährung hat nichts mit Verzicht zu tun, im Gegenteil: Sie bietet mehr Abwechslung und Fülle. Früher habe ich nie so lecker und vollwertig gegessen wie heute.

Als ich mich mit dem Thema mehr beschäftigte, wurden mir auch weitere Vorteile der pflanzlichen Ernährung klar. Würde man Ackerflächen, auf denen Futter für Zuchttiere angebaut wird, für menschliche Nahrung verwenden, müsste kein Kind mehr vor Hunger sterben. Und was die Tiere angeht; Schlachthöfe sind sehr weit weg von uns, keiner möchte sich den herzzerreißenden Schrei einer Kuh im Schlachthof antun. Warum tun wir es ihr dann an? Wie kann man seinen Hund streicheln und gleichzeitig ein Schwein für sein Schnitzel umbringen lassen? Ich verstehe das nicht. Zu wissen, dass für mein Essen kein fühlendes Wesen zu Lebzeiten leiden und am Ende brutal geschlachtet werden musste, fühlt sich für mich einfach richtig an.“

 

Oliver, 46 Jahre alt, aus Nagold

„Es ist eigentlich in einem Satz gesagt: Für meinen Sekundengenuss muss kein Tier sterben!
Doch der Reihe nach. Ich war schon immer an gesunder Ernährung interessiert und habe nach einem Besuch auf dem Bang-Your-Head-Festival – auf dem ich verdammt viel Fleisch gegessen habe – einen Selbstversuch gemacht: Wie lange halte ich es ohne Fleisch aus? Da ich sehr gerne koche, hat sich für mich innerhalb kürzester Zeit ein ganz neues Universum an Gemüsesorten, Kräutern, Gewürzen und Salzen aufgetan.
Außerdem haben es mir ein paar grundsätzliche Fakten zusätzlich leicht gemacht: 750.000.000 Tiere werden allein in Deutschland jedes Jahr geschlachtet. Davon wandern 25 Prozent einfach in den Müll. 95 Prozent der verkauften Fleischmenge kommen aus der Massentierhaltung.
Es gibt nur einen einzigen Grund, Fleisch zu essen: Weil es schmeckt! Der Preis dafür ist unsägliches Leid für die Tiere, ein riesengroßer Schaden für unsere Erde und schlussendlich ist es einfach nicht gesund.
Mein Selbstversuch ist jetzt fünf Jahre her und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, irgendwann wieder Fleisch zu essen. Ganz im Gegenteil: Ich koche immer mehr vegan und es macht mir riesigen Spaß.
Ich verzichte nicht, ich vermeide – und das mit vollem Genuss!“

 

Von Einstiegsrezepten bis zum veganen Podcast: unsere Links zum Thema

Vegan Taste Week: Einstieg in die vegane Ernährung

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt: Infos und Kampagnen zum Thema vegane Ernährung und Massentierhaltung

Der Graslutscher: satirische Auseinandersetzung mit Klischees über den Veganismus

ich bin jetzt vegan!: Podcast zu veganen Themen

Vamily: vegan Leben in Familien

Veganer, die Klimaretter: zur Umweltbilanz veganer Sojaprodukte

Fleischatlas 2018 (gratis) und Infografiken 

Comments Off

Osterfest #imländle

Ostern im Ländle
 
Für #imländle versteckt der Osterhase in diesem Jahr die buntesten Eier. Sei dabei, wenn unsere Überraschungskücken schlüpfen.
 
Von Gründonnerstag bis Ostermontag hier auf imlaendle.de – inklusive toller Gewinnspiele.
 
Unter dem Menüpunkt “Osteraktion” findest du alle Beiträge. Alle Gewinnspiele laufen bis zum 06. Mai 2019. Wir drücken dir die Daumen.
 
Frohe Ostern

 

Zuhause

Dein #imländle Blogazine

 

Wir erzählen die großen und kleinen Geschichten aus deiner Heimat. Nah dran und immer echt.

 

Erfahre, was die Menschen in der ländlichen Region südlich von Stuttgart bewegt und werde ein Teil davon.

 

 

Kategorien

Bleib in Verbindung

Newsletter

*Abonnierst du unsere Blognews, wird deine E-Mailadresse auf unserem Server zur Versendung der News von #imländle gespeichert. Ignorierst du die Bestätigungsmail, werden deinen Daten innerhalb von 72 Stunden gelöscht.

×