Wir stellen vor: Hobbyfotografen aus dem Ländle

Fotografie ist heute kein aufwendiges Hobby mehr, sondern absolut alltäglich, und mit der Handykamera scheint das Bildermachen so einfach wie nie zuvor zu sein. Umso mehr stechen gute Fotos aus der Masse heraus. #imländle stellt euch die Menschen vor, die hinter der Kamera standen, um diese besonderen Fotografien zu schießen. Einer davon ist der Hobbyfotograf Martin Schunack.

 

Martin, woher kommst du und wo wohnst du jetzt?

Ich bin ein waschechter Reutlinger. Okay, mein Vater hat darauf bestanden, dass ich in Tübingen geboren wurde, aber meine Heimat ist Reutlingen. Seit 2016 wohne und lebe ich im schönen Neuhausen an der Erms, einen Steinwurf von Metzingen entfernt und in Fußweite zur Schwäbischen Alb. Quasi Outlet meets Nature.

Wie bist du zur Fotografie gekommen? Seit wann ist das dein Hobby?

2013 hatte ich eine kleine Krise, vielleicht die Midlife-Crisis, und suchte einen Grund, warum es mich in die Natur ziehen sollte. Davor war ich der klassische Nerd: Computer, Konsole und Party von Donnerstag bis Montagmorgen.

Die Fotografie hat mich schon immer fasziniert und so kaufte ich mir dann einfach eine Kamera zum Ausprobieren. Zum Glück (oder war es Schicksal?) kaufte sich mein bester Freund ebenfalls eine, und statt in Stuttgart die Nacht unsicher zu machen, zeigten die ersten Fotos Biene in Blume am Gönninger See. Endgültig gepackt hat es mich dann beim Hagelunwetter 2013. Ich merkte, dass meine damalige Kamera an ihre Grenzen kam, also wurde das Geld aus dem Hagelschaden in neues Equipment investiert. Mein Auto fuhr schließlich auch mit Dellen (okay, ins Dach hat’s reingeregnet, aber das gab’s für das Cabrio auf Ebay ziemlich günstig).

Hast du ein Vorbild, an dem du dich orientierst?

Mit Vorbildern ist es schwierig. Ein Vorbild ist jemand, dem du nacheifern möchtest. Ich möchte niemanden imitieren oder kopieren. Ich nenne es eher Inspiration. Dazu zählen Bastian Werner (ein bekannter Unwetterfotograf), Dennis Oswald (Fotograf bei WetterOnline), der Local Player Marco Kaschuba (Fotograf bei WetterOnline) und Trey Ratcliff (ein Fotograf aus Neuseeland). Treys Bilder waren die ersten, bei denen ich dachte: WOW. Ich versuche mich bei der Bildbearbeitung an seinem Stil zu orientieren, aber was er aus seinen Fotografien rausholt, ist der Wahnsinn.

Welches ist dein Lieblingsfoto?

Schwierig, sehr schwierig. Ich verbinde mit meinen Fotos immer Erinnerungen an das Erlebte, und gerade bei Wetterfotos erlebt man ständig etwas, bei dem man denkt: Das kann nicht mehr getoppt werden. Wenn schon Lieblingsfoto, dann sind es mehrere. „Thor is calling“ zum Beispiel ist der Titel eines Bildes vom blitzreichsten Gewitter über Reutlingen im Jahr 2015. „The Mothership“ gehört dazu, die Aufnahme einer Superzelle über dem Albtrauf, und „The Beast“, eine Aufnahme der Unwetterwolke des Hagelunwetters 2013. Technisch und qualitativ eher durchschnittlich, aber wie gesagt, es geht um das Erlebte. Und dann gibt es da noch die Hohenzollern und den Sonnenuntergang über Bad Urach. Beide zieren die Tourismusführer der Zollernalb und des Bad-Urach-Tourismus.

Wonach wählst du deine Motive aus? Und was ist dein Rezept für das perfekte Foto? Gibt es das überhaupt?

Das perfekte Foto wird es nie geben. Mit jedem Auslösen fängt man einen Moment ein, der so nie wieder kommen wird. War das der perfekte Moment ? Gerade in der Landschafts- und Wetterfotografie sind das Momentaufnahmen und jedes Bild für sich ist perfekt, wenn man seinen Fokus darauf legt. Das Rezept klingt ziemlich simpel: Man wandert durch die Gegend und schaut, was einem gefällt.

Unglaublich, oder? Meine Motive finde ich bei den Spaziergängen auf der Alb und in der Umgebung. Sei es der Graureiher, der bei uns im Ort an der Erms steht, oder aufziehende Gewitterwolken am Albtrauf. Daher habe ich eigentlich immer eine Kamera dabei. Natürlich plane ich auch. Gerade jetzt im Sommer nutze ich ständig die Wettervorhersage und checke Karten und Radarbilder. Sehe ich zum Beispiel, dass sich vom Schwarzwald eine Gewitterfront nähert, fahre ich an einen meiner Spots und warte dort. Oder die Milchstraße. Dabei erkunde ich tagsüber die Standorte, die gut erreichbar sind, und warte auf Neumond.

Welche Fotoausrüstung würdest du empfehlen bzw. benutzt du? Manche behaupten ja, dass man nur mit einer teuren Ausrüstung gut fotografieren kann.

Das stimmt zum Teil. In der Fotografie ist es so, dass der Preis die Qualität bestimmt. Aber braucht man ein 2500 Euro teures Objektiv? Der normale Fotograf, der beim Spazierengehen die Landschaft fotografiert, braucht das sicherlich nicht. Der Naturfotograf, der zum Teil von seinen Bildern lebt, schon. Es kommt ganz darauf an, wie man sein Hobby auslebt. Ich zum Beispiel habe immer eine sogenannte Bridgekamera dabei. Vom Gehäuse ähnelt sie einer Spiegelreflex, allerdings ohne Wechselobjektive. Sie ist eine sogenannte Superzoom und für (fast) alle Fotografien tagsüber zu gebrauchen, sei es die Nahaufnahme einer Biene oder die Teleaufnahme der Wurmlinger Kapelle vom Rossberg bei Gönningen aus. Zum Einstieg in die Fotografie empfehle ich persönlich diese Kameravariante. Wenn ich aber Gewitter jage, ist das Auto voll. Drei Stative und drei Kameras sind immer dabei.

Meine Canon DSLR dient für die Weitwinkelaufnahmen der Wolken. Hier ist immer ein Weitwinkelobjektiv im Brennweitenbereich von 10 bis 20 mm eingesetzt. Die erwähnte Bridgekamera hat einen Zeitraffermodus und liefert mir ein kleines Video aus bis zu 2000 Bildern, kommt aber auch zum Einsatz, wenn ich mal „zoomen“ muss. Schließlich unterstützt mich noch eine Sony-Systemkamera, hier nutze ich noch die Alpha 6000. Und diese Kamera lege ich jedem ans Herz, der von der Bridgekamera wechseln will. Die Bildqualität ist enorm und das Beste ist: Diese Kamera ist so klein, mit der 20-mm-Festbrennweite passt sie sogar in die Tasche meiner Cargohose. Der „Nachteil“ an der Spiegelreflex und der Systemkamera ist das ständige Objektivwechseln. Im Gegensatz zu der Bridge braucht man hier für jede Situation ein anderes Objektiv und das geht ganz schön ins Geld. Der Vorteil ist aber die Qualität der Bilder. Wie gesagt: Der Preis bestimmt die Qualität.

Grundsätzlich sollte man aber immer folgendes Zitat von Heiko Kanzler im Hinterkopf haben: „Klar war die Ausrüstung teuer und ich mache keine besseren Bilder dadurch. Aber ich habe jetzt mehr Spaß an meinen schlechten Bildern.“ Die Kamera ist nur unser Werkzeug, die Bilder sehen wir, wenn wir den Auslöser drücken. Und wenn man blind durch die Gegend läuft, bringt auch die teuerste Kamera nichts.

Wie war es, in der Ravennaschlucht im Schwarzwald zu fotografieren? Die Bilder sind wirklich unglaublich schön geworden!

Vielen Dank für das Lob. Ja, da bin ich der Alb untreu geworden, das war ein eher spontaner Trip. Ich wollte eigentlich zum Kaffeetrinken nach Frankreich fahren, ganz entspannt im goldenen Herbst durch den Schwarzwald, also eine Art Roadtrip. Dann sah ich bei einer Pause den Wegweiser zur Ravennaschlucht und wollte sie mir mal anschauen. Und siehe da, zum Kaffee hat es mir nicht mehr gereicht. Der Schwarzwald ist eine ganz andere Landschaft als die Alb. Viel kantiger, schroffer und wasserreicher. Ich hatte Glück an diesem Tag. Ich war allein in der Schlucht und habe mich dort stundenlang aufgehalten. So was findet man auf der Alb nicht. Natürlich haben wir auch unsere Wasserfälle, aber die kann man an einer Hand abzählen.

Im Blogbeitrag dürfen wir einige deiner Bilder bestaunen. Was gefällt dir besonders gut an der Auswahl?

Dass sie im Blog von #imländle erscheinen? Im Ernst, das ist eine große Ehre und ich merke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ein Freund sagte damals zu mir, als wir mit dem Fotografieren anfingen: „Dude, leb deinen Traum.“ Er ist mittlerweile Rockmusiker und Fotograf, allerdings in einer komplett anderen Richtung.

Die ausgewählten Bilder spiegeln wider, was man als Fotograf alles machen kann. Natürlich liegt mein Fokus auf dem Wetter, aber nur das zu fotografieren ist mir zu eng. Die Fotografie bietet unendliche Möglichkeiten und, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, auch unendliche Motive.

Und zu guter Letzt: Was sagst du zu diesem Zitat von Diane Arbus:„Ich habe noch nie ein Foto gemacht, wie ich es beabsichtigt hatte. Sie sind immer schlechter oder besser.“

Hmmmm, sehr schwer. Sie ist eine Ikone der Fotografie und jemandem wie ihr zu widersprechen ist schwer. Aber! Ich hatte oft den Fall, dass ich mit meinen Bildern nicht zufrieden war, während andere sie toll fanden. Bilder, die ich feiere, finden andere schlecht. Ich finde, jeder hat seinen persönlichen Geschmack und jeder sieht seine Umwelt anders. Als Fotograf, der perfekte Bilder liefern will, sollte man auf einen unserer größten Künstler hören, denn Fotografen sind auch Künstler auf der Suche nach Perfektion: „Fürchte dich nicht vor der Perfektion, denn du wirst sie nie erreichen.“ (Salvador Dalí, 1904–1989)

 

 

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