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    Tanzen wie Marie Antoinette und Goethe

    Tanzen wie Marie Antoinette und Goethe

    „Ich glaube, dass so mancher denkt, dass ich ziemlich seltsam bin – wie ich da mit meiner Perücke, meinen getuschten Wimpern und meinen geschminkten Lippen auf der Bühne tanze. Aber da steh ich drüber.“

    Dieser Satz stammt von Manfred Wörner. Als er das sagt, lacht er und zuckt lässig mit den Schultern. Seine Tanzpartnerin Anita Arbesser sitzt ihm gegenüber und grinst ihn an. Ich kann das Gefühl, das ich verspürte, als ich mir diese Szenerie ansah, kaum beschreiben. Aber ich glaube, es war eine Mischung aus Belustigung und tiefem Respekt. Respekt davor, wie sehr die beiden zu ihrem einzigartigen Hobby stehen – und das mit Stolz.

    Zwei Leidenschaften werden zu einer

    Anita Arbesser und Manfred Wörner tanzten schon immer gerne zusammen, von Standard bis Latein war alles dabei. Normaler Paartanz eben. Auch klassische Musik hören sie am liebsten. Anita Arbesser ist selbst Musiklehrerin, unter anderem für Geige. Doch erst auf dem Biberbacher Schützenfest entdeckten die zwei den Tanzstil, der ihre beiden Leidenschaften miteinander verbindet: den Rokokotanz.

    Um euch das zeitlich mal ein wenig einzuordnen: Das Rokoko folgte auf die Barockzeit, dauerte also etwa von 1720 bis 1780. Den Rokokotanzstil zu beschreiben ist etwas schwieriger. Vor allem begreift man das Besondere nur aus der Zeit heraus, wie Manfred Wörner mir erklärt: Im Barock waren die Tänze von Anfang bis Ende choreografiert. Sie waren vor allem ernst und es gab strenge Verhaltensregeln. Das galt sowohl im Tanzsaal als auch für die Geschlechter. Schuld daran war unter anderem die Kirche. Viele Tänze wurden „vorgetanzt“, der Regent oder der Herzog stand im Mittelpunkt. Ein Paradebeispiel dafür ist der Sonnenkönig Ludwig XIV, der einen Tanz aufführte, bei dem er sich selbst als die Sonne darstellte, den Mittelpunkt der Welt.

    Das Rokoko war eine Zeit der Aufklärung. Nicht mehr der Glaube, die Kirche oder der Monarch reglementierte das Verhalten der Menschen, jetzt zählten die Vernunft und das Individuum. Die Architektur wurde verspielter, die Musik freier, die Tänze sollten Spaß machen. Auch die Rokokotänze waren weniger reglementiert, die Tanzformen verspielter und oft lustig, vieles wurde immer und immer wieder wiederholt, und: Die Standesgrenzen wurden aufgeweicht. Wer sich an die Regeln des Anstands und die Kleiderordnung hielt, durfte mittanzen, alle Stände waren prinzipiell zugelassen.

    Auszusehen wie Marie Antoinette und Goethe gehört dazu

    Letztendlich ist es auch genau das, was Manfred Wörner und Anita Arbesser als Hobby betreiben: Sie tanzen die Tänze dieser Zeit originalgetreu. Auch ihre Kostüme scheinen dieser Zeit entsprungen. Die Perücken sind sogar aus Echthaar, damit es nicht nach Karneval aussieht. Und sie schminken sich – eben so, wie es damals auch bei Männern Trend war.

    Obwohl sie eine Gruppe gegründet haben, treten die beiden nur zu zweit bei Geburtstagen oder Veranstaltungen auf. Die teuren Kostüme sind das Problem: Nicht jeder kann sich gleich so ein reich besticktes Kleid und eine Echthaarperücke leisten. Doch gemeinsam mit seiner Rokokogruppe hat das Paar eine andere Lösung gefunden. „Zwei unserer Damen können richtig gut nähen; demnächst wollen sie sich dann an unsere Kostüme machen“, erzählt mir Anita stolz. Dann kann die Rokokogruppe endlich auch als Gruppe auftreten.

    Aber es ist vor allem eine Frage, die mich dazu bewegt hat, über die beiden zu schreiben: Warum das alles? Als ich sie Anita Arbesser und Manfred Wörner stelle, lachen die beiden erst nur. Und bringen es dann auf den Punkt: Man muss schon ein wenig verrückt sein.

    Eine Freude, die ansteckt

    Als ich nach dem Gespräch nach Hause fahre, lasse ich den Termin noch einmal Revue passieren. Die Freude der beiden an ihrem Hobby ist ansteckend, stelle ich fest. Und das ist doch genau das, was eine Leidenschaft ausmacht: der Spaß daran. Den haben Anita Arbesser und Manfred Wörner auf jeden Fall.

    Doch auch bei ihnen ist es wie bei so vielen Vereinen oder Gruppen: Es fehlen Mitglieder. Vor allem Männer. Wer sich also vorstellen könnte, mal eine kleine Reise in die Rokokozeit zu unternehmen, sollte unbedingt an einem der Schnuppertage der Gruppe teilnehmen: Immer am dritten Samstag im Monat üben die Mitglieder von 10 bis 12 Uhr gemeinsam.

     

     

     

     

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