In den Sommerferien mal kurz an die Uni gehen

In den Sommerferien mal kurz an die Uni gehen

Kinder spielerisch ans Studentenleben heranführen – was erst wie ausgedacht klingt, gibt es tatsächlich. Nämlich in der Kinderuni in Furtwangen. Unter dem Motto „Ich will’s wissen“ können Kinder mit Begeisterung für Technik und Forschung einen ersten Einblick bekommen. Klar, dass die Mini-Studenten in denselben Räumen unterrichtet werden wie die Großen.

Wir haben mit Damaris Gutekunst gesprochen. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Kinderuni Furtwangen, der dieses ganz besondere Ferienprogramm ins Leben gerufen hat und natürlich auch organisiert. Ein Gespräch über einzigartiges Stadtmarketing, Kinder, die gefordert werden wollen, und einen Verein mit gerade mal fünf Mitgliedern.

 

Frau Gutekunst, Sie sind die Vorsitzende eines Vereins, der ein ganz besonderes Ferienprogramm für Kinder organisiert: die Kinderuni in Furtwangen. Wann haben Sie mit dem Projekt angefangen?

Seit 2008 gibt es die Kinderuni jetzt schon.

Gibt es noch andere solcher Universitäten nur für Kinder?

In jeder Uni gibt es Schnuppertage. Weltweit bietet aber nur die Kinderuni Furtwangen eine ganze Woche mit Hochschulprogramm, Industrietag, Rahmenprogramm und Übernachtung.

Ausgebildete Pädagogen, Sozialarbeiter und Erzieher stehen im Team den Kids zur Verfügung; die Übernachtungen und die Verpflegung im Jugendgästehaus in Furtwangen gewährleisten die nötige Erholung und Versorgung.

Warum haben Sie die Kinderuni ins Leben gerufen?

Die Kinderuni ist aus einem Stadtmarketingprojekt der Stadt Furtwangen entstanden, aus dem aber noch einige weitere Projekte hervorgingen. Ziel war es, das obere Bregtal attraktiver zu gestalten, auf dem Vorhandenen aufzusetzen und junge Menschen und ihre Familien am Ort zu halten oder herzubringen. Außerdem sollte als Urlaubsregion ein Mehrwert geschaffen werden, indem die Kids zum Bespiel die Kinderuni besuchen und die Eltern diese Zeit für einen Urlaub im Schwarzwald nutzen.

Eben weil die Kinderuni weltweit einzigartig ist, stellt sich mir die Frage: Wie kamen Sie darauf?

In Workshops wurde in Arbeitsgruppen ermittelt, was wir in Furtwangen alles haben, was fehlt und was man ergänzen könnte. Da ich aus der Industrie komme und von der Seite mit der HFU Furtwangen verbandelt war, mir außerdem die Bildung und Ausbildung junger Menschen wichtig ist – und das Ganze am liebsten noch unter dem Aspekt, dass Bildung nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sein darf –, war die Idee geboren, Kindern das Schnuppern zu ermöglichen, um ihnen eine Idee für ihre zukünftige schulische oder berufliche Ausbildung zu geben.
Für finanzschwächere Familien gibt es die Möglichkeit eines Stipendiums, das von örtlichen Firmen vergeben wird. Jedes Kind wird zu einem Drittel von lokalen Sponsoren unterstützt, zwei Drittel bezahlen die Eltern.

Die Eltern der Kinder sind währenddessen auch in Furtwangen zu Besuch – vor allem, um Urlaub zu machen. Können die Eltern aber auch anderweitig daran teilhaben?

Es gab schon Vortragsabende für interessierte Eltern, zum Beispiel zum Thema „Digitale Medien und wie gehe ich damit um“ oder „Geochaching für die ganze Familie“. Diese Vorträge sind kostenlos und finden während der Kinderuniwoche statt – vorausgesetzt, es sind genügend Interessenten vorhanden.

Von wann bis wann soll die Kinderuni denn in diesem Jahr stattfinden?

Vom 29. Juli bis zum 4. August.

Den Kindern wird eine ganze Woche vollgepackt mit Wissenswertem versprochen. Was erwartet sie genau?

Der anspruchsvolle „Lehrplan“ der Hochschule Furtwangen, mit vielen praktischen Experimenten und Workshops, vermittelt den Kindern unter anderem, wie ein Elektromotor funktioniert. Sie dürfen diesen später eigenhändig in den Werkstätten der Hochschule bauen. Darüber hinaus erwartet die Kinder ein interessantes und wissenswertes Rahmenprogramm: Zahlreiche weitere Aktivitäten − wie ein Besuch an der Kletterwand, Freizeitspaß im Europapark Rust, eine Nachtwanderung oder ein Grillabend − runden das Programm ab.

Wie viele Kinder nehmen daran im Schnitt teil?

Im Schnitt sind es immer etwa 35 Teilnehmer im Alter von 10 bis 14 Jahren.

Was setzen Sie Leuten entgegen, die behaupten, dass Kinder in den Ferien spielen und nicht lernen sollten?

Es gibt eben verschiedene Kinder. Und wenn man sich das Rahmenprogramm anschaut, dann kann man, auch als Skeptiker, erkennen, dass Sport und Spiel bei uns ganz großgeschrieben wird. Wir arbeiten unter dem Motto: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.
Wir betreuen übrigens auch Kinder mit leichtem Autismus und speziellen Begabungen, ebenso hochintelligente Kinder, die solche Anreize auch in den Ferien brauchen.

Was ist Ihre Aufgabe als Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Kinderuni Furtwangen?

Ich plane immer die Mitgliederversammlung zu Beginn des Jahres. Außerdem muss ich ein Team für das Rahmenprogramm der Kinderuni suchen und zusammenstellen. Ebenso schreibe ich die Fachbereiche der Hochschule an und akquiriere sie. Aber auch die Sponsorensuche zählt zu meinen Aufgaben.

Zudem bin ich für die gesamte Organisation des Programms an der Uni zuständig. Es ist mir wichtig, am Industrietag jedes Jahr eine andere interessante Firma zu besuchen, die diesen Tag auch kindgerecht gestaltet. Und auch der Tag im Europapark will gebucht sein.

Dazu kommen noch einige kleinere Aufgabenbereiche wie Pressearbeit, Eintrittskarten besorgen, Busse organisieren, Unterkünfte buchen, die Fragen der Eltern beantworten, Anmeldungen bestätigen, Zertifikate erstellen und, und, und.

Wie viele Mitglieder haben Sie denn überhaupt in Ihrem Verein?

Genau fünf. Das reicht, um alle Posten, die einen Verein ausmachen, zu besetzen. Ein Verein sind wir eigentlich nur aus versicherungstechnischen Gründen geworden, um die Kinder und die Mitarbeiter abgesichert zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch, Damaris Gutekunst.

 

 

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