MusicalLadies & Friends #imländle: ein Interview mit den Ladys

Am 17. November heißt es Bühne frei für MusicalLadies & Friends #imländle – eine Musicalgala, die eigens für die Stadthalle Balingen produziert wurde. Mit dabei sind die beiden bekannten Musicaldarstellerinnen Beatrix Reiterer und Melanie Gebhard – die Erste wohnhaft, die Zweite geboren #imländle – sowie die Musicalsänger Hannes Staffler und Carl van Wegberg, die Musicalfans #imländle bestimmt aus diversen Stuttgarter Musicals kennen.

Wir von #imländle begleiten die sympathischen Ladys Beatrix Reiterer und Melanie Gebhard auf ihrem Weg zur Musicalgala und werden bei der Premiere mit der Kamera dabei sein. Zum Kennenlernen gibt’s ein Interview mit den Darstellerinnen für euch.

 

Beatrix, du lebst und arbeitest #imländle, genauer gesagt im schönen Balingen. Wo kommst du her, seit wann bist du im Schwabenland zu Hause und was gefällt dir am Ländle besonders?

Ich wurde in Südtirol geboren und habe dort bis zum Abitur gelebt, anschließend hat es mich nach Hamburg gezogen, um eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin zu machen. Danach war ich in vielen verschiedenen Städten zu Hause. Bevor wir vor knapp drei Jahren nach Balingen gezogen sind, haben wir mehrere Jahre in Köln gelebt.

Ich mag das Schwabenländle sehr. Die Landschaft, die Natur und die Leute. Ich fühle mich rundum wohl hier und bin sehr dankbar, dass ich mit meiner Arbeit hier so positiv aufgenommen wurde.

Melanie, deine Muttersprache ist Schwäbisch, der Wiener Dialekt ist dir nicht fremd und die Berliner Schnauze tanzt dir aktuell öfter über den Weg. Du bist viel herumgekommen – was schätzt du am Großstadtleben und welche Vorteile siehst du in ländlichen Gegenden wie unserer?

Was mir gerade in Berlin besonders auffällt, ist, wie viele Möglichkeiten man hier hat. Man kann so viel machen, sehen, erleben, an Events teilnehmen, sich weiterbilden … Aber natürlich auch in Wien und in anderen Großstädten ist so viel geboten. Und durch die gute Anbindung im Flugverkehr oder mit der Bahn ist man ganz einfach ganz schnell überall. Das schätze ich sehr am Großstadtleben.

Aber manchmal ist es mir auch einfach zu laut, zu dreckig, zu viel. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und weiß jetzt schon, dass ich irgendwann wohl wieder in eine ländlichere Gegend ziehen werde – und wenn es im Umland einer Großstadt ist. So nett die Anonymität in einer großen Stadt auch sein kann, so schön ist es doch, wenn man auf dem Land die meisten Menschen kennt, die einen umgeben. Man kann eine Gemeinschaft aufbauen und sich gegenseitig helfen. Und besonders wichtig ist mir natürlich die Natur. So eine schöne Albtraufwanderung oder einfach nur ein Spaziergang über die Felder und Wiesen Winterlingens kann kein Stadtpark ersetzen.

Euch zwei verbindet eine große Leidenschaft: das Musical. Ihr lebt beide den Traum und steht immer wieder auf der Bühne. Wie kam es dazu? Wann hat eure Karriere begonnen und welches unvergessliche Erlebnis (egal ob backstage oder auf der Bühne) fällt euch als Erstes ein, wenn ihr auf die letzten Jahre zurückblickt?

Beatrix: Ich tanze und singe seit meinem sechsten Lebensjahr. Es war schon immer mein Wunsch, auf der Bühne zu stehen. Der Beruf der Musicaldarstellerin war irgendwie naheliegend, da ich auch schon immer gerne geschauspielt habe und mich für keinen der Bereiche entscheiden konnte.

Das Musical ist eine wunderbare Mischung aus allem und dadurch auch immer wieder eine Herausforderung. Ich durfte schon vor meiner Ausbildung die Magenta in der „Rocky Horror Show“ in Bozen spielen und nach meiner Diplomierung ging es direkt nach Wien zu „Chicago“. Danach folgten viele tolle Musicals, wundervolle Rollen und unvergessliche Erlebnisse. Immer mal wieder muss ich über eine ganz bestimmte Situation schmunzeln: Es geht um das Boot des Phantoms, mit dem Christine über den See geführt wird. Aus technischen Gründen blieb dieses öfter mal „mitten im See“ stecken und wir mussten wie Jesus über das Wasser laufen.

Melanie: Meine Musicallaufbahn hat 2003 begonnen, als ich in Hamburg die Musicalausbildung angefangen habe. Damit habe ich mir einen Traum erfüllt, den ich mich lange nicht getraut hatte. Es war eben ein großer Schritt, von Albstadt nach Hamburg zu ziehen. Aber dann dachte ich mir: jetzt oder nie. Die Ausbildung habe ich dann 2006 abgeschlossen.

Mein beeindruckendstes Erlebnis bis heute war, als ich 2008 einen Anruf bekam und mir die Zweitbesetzung der Rolle Elphaba im Musical Wicked in Stuttgart angeboten wurde. Das war meine Traumrolle! Ich war gerade mal zwei Jahre im Beruf und hatte eher kleine Ensemble-Jobs gemacht, und dann endlich diese Megarolle! Das war pures Glück und wird mir immer unvergesslich bleiben.

Wir sehen die wundervollen Kostüme, hören die sagenhaften Stimmen und erleben als Zuschauer einen unbeschwerten Abend, wenn wir ein Musical besuchen. Hand aufs Herz – ohne Fleiß kein Preis. Wie hart muss man trainieren, bis man da ist, wo ihr steht? Wie schaut der Alltag eines Musicaldarstellers jenseits der Bühne aus? Beatrix, du hast vor einer Weile einen Gang zurückgeschaltet. Wie kam es dazu?

Beatrix: Der Beruf der Musicaldarstellerin ist ein ewiger Lernprozess. Man ist quasi nie fertig. Jede Rolle bringt wieder neue Herausforderungen mit sich und das Üben begleitet uns bis zum letzten Tag in diesem Beruf. Man muss sowohl körperlich als auch stimmlich fit bleiben und man muss sich immer wieder neu beweisen. Das, was die Leute auf der Bühne von uns sehen, ist wie der Gipfel des Eisbergs; der größte Teil ist nicht sichtbar und der hat hauptsächlich mit Arbeit, Schweiß und immer wieder auch mit Tränen zu tun.

Ich habe vor etwa zehn Jahren beschlossen, mich aus dem Ensuite-Geschäft (das sind die Musicals, die achtmal die Woche für längere Zeit an einem Ort spielen) zurückzuziehen, da es mit dem Familienleben nicht kompatibel war. Seitdem arbeite ich als selbstständige Musicaldarstellerin, spiele mal hier, mal dort kürzere Produktionen und habe auch noch andere berufliche Leidenschaften für mich entdeckt. Ich habe für mich eine bunte Mischung geschaffen, die mir sehr viel Spaß macht, sehr erfüllend ist und mir mehr Freiräume bringt.

Melanie: Man muss sich schon immer fit halten. Allein, um dem oftmals harten Konkurrenzkampf bei den Auditions standhalten zu können. So viele Bewerber auf eine Rolle – da muss man einfach überzeugen können. In einer Zeit wie jetzt, wo ich fast täglich spiele, mache ich nicht so viel extra, da meine Stimme ja täglich arbeitet und ich mich auch tänzerisch erst mal ausreichend bewege. Zusätzlich fahre ich aber gerne viel mit dem Rad und muss zu Hause mehrmals täglich zu Fuß in den vierten Stock eines Altbaus gehen. 😉

In ruhigen Phasen, in denen man gerade auf Jobsuche ist oder auf den Start des nächsten Jobs wartet, muss ich etwas mehr tun. Dann nehme ich auch wieder Gesangsstunden bei meinen Lieblingsgesanglehrern in Wien und Hamburg. Ein richtiger Alltag kehrt meistens nie ein. Jeder Tag ist anders, aber als Musicaldarsteller hat man zumindest die Möglichkeit, lange auszuschlafen. Was ich aber gar nicht nutze. Ich stehe lieber zwischen 8 und 9 Uhr auf und habe etwas vom Tag. Dann finde ich immer etwas, das erledigt werden muss, lese viel, bilde mich weiter oder treffe Freunde.

Aber auch im normalen Spielbetrieb finden tagsüber immer wieder Proben statt. Ins Bett komme ich meistens erst gegen 12 oder 1 Uhr. Vorher ist man noch nicht zu Hause oder von der Show noch zu aufgedreht.

Aber ihr liebt die Bühne, gell! Und es gibt sicherlich unglaublich viele wunderbare Momente. Wie fühlt es sich an, nach einer Show den Applaus zu erleben, und was geht in solchen Augenblicken in euch vor?

Beatrix: O ja! Neben allen negativen Seiten, die dieser Beruf mit sich bringt, gibt es viele unglaublich schöne Momente, die ich als Musicaldarstellerin in den letzten 20 Jahren erleben durfte. Ich würde es immer wieder so machen.

Der Applaus nach der Show ist immer wieder aufs Neue ein Geschenk. Es fühlt sich für mich an wie ein Energiestrom, der vom Publikum in mein Herz fließt. Es steckt so viel Dankbarkeit darin, und in dieser Begeisterung zu „baden“ entlohnt für vieles.

Melanie: Das ist das Schöne am Theater oder einem Liveauftritt: Man bekommt unmittelbares Feedback vom Publikum – im Gegensatz zum Film oder TV. Der Applaus am Ende oder auch zwischendurch gibt uns Darstellern unglaublich viel.

Aber man darf seinen Erfolg nicht davon abhängig machen. Oftmals sind die Zuschauer von etwas so gerührt und bewegt, dass sie gar nicht den Impuls verspüren, jetzt laut zu werden. Trotzdem hat es ihnen aber sehr gefallen. Letztendlich ist es aber natürlich ein geiles Gefühl, wenn die Leute aufstehen und jubeln und klatschen. Und wenn man dann noch den einen oder anderen am Bühneneingang trifft, der sich für den schönen Abend bedankt, dann weiß man, dass man was richtig gemacht hat.

Momentan arbeitet ihr auf Hochtouren an eurem gemeinsamen Projekt: MusicalLadies & Friends #imländle. Was steckt dahinter und wer ist mit von der Partie?

Melanie: Beatrix und ich kennen uns noch gar nicht so lange. Aber als wir uns zufällig in Balingen kennengelernt haben, waren wir uns gleich sympathisch und haben überlegt, was wir hier #imländle gemeinsam aufziehen könnten. Es liegen viele Überlegungen, Planungen, Gespräche mit der Stadthalle und einiges mehr hinter uns. Ganz besonders hilft uns aber auch Beatrix’ Erfahrung aus ähnlichen Konzerten, die sie schon in ihrer Heimat in Südtirol veranstaltet hat. Wir freuen uns sehr, dass wir zwei Ladys noch zwei wunderbare Gentlemen (Friends) dafür begeistern konnten, gemeinsam mit uns die Bühne zu rocken: Carl van Wegberg und Hannes Staffler. Und natürlich eine tolle Band unter der Leitung von Andreas Pabst.

Wie können wir uns die Produktion einer Musicalgala vorstellen? Was muss im Vorfeld getan, organisiert, geübt und gemeistert werden?

Beatrix: Die Organisation hat in diesem Fall schon zwei Jahre vor dem Termin begonnen. Wir mussten einen Veranstaltungspartner finden, rechtzeitig einen Termin festlegen, die Beteiligten suchen, mit ihnen verhandeln. Als die Sänger feststanden, wurde das Programm geschrieben. Dieses gilt es auch mit dem musikalischen Leiter abzustimmen, da er die passenden Arrangements und Medleys schreiben muss. Wenn das alles festgelegt ist, kann jeder für sich anfangen zu üben. Die Bewerbung muss natürlich auch organisiert werden, das bedeutet Fotos machen, Texte schreiben und vieles mehr. Als Letztes werden dann noch die Kostüme besprochen sowie organisiert und ganz am Ende wird dann intensiv gemeinsam geprobt.

Warum gerade hier bei uns #imländle und nicht in Berlin, Hamburg oder Wien?

Beatrix: In den großen Städten gibt es sowieso schon ein Überangebot an kulturellen Veranstaltungen – besonders im Musicalbereich. Ich habe in den letzten Jahren oft die Erfahrung gemacht, dass das Publikum in etwas ländlicheren Gegenden sehr viel dankbarer ist. Denn sie müssten sich sonst ins Auto oder in den Zug setzen, viel Zeit aufbringen und viel Geld ausgeben.

Und es ist natürlich auch schön, dort aufzutreten, wo man zu Hause ist, sodass auch Freunde, Verwandte und Bekannte uns mal live auf der Bühne erleben können.

Melanie: In den großen Städten gibt es doch schon so vieles. Wer es sich leisten kann und Zeit hat, fährt vielleicht in die Großstadt. Aber was ist zum Beispiel mit den vielen Leuten, die nicht die Möglichkeit haben und trotzdem Musicals lieben? Die sollen auch im Ländle die Möglichkeit bekommen, sich in den Bann des Musicals ziehen zu lassen. Und dazu bekommen sie bei uns noch ein ganzes Potpourri an Highlights aus sämtlichen Musicals, die schon einmal in der Großstadt – insbesondere in Stuttgart – gespielt haben. Direkt vor der Haustür! Und ich freue mich immer, wenn ich in meiner Heimat bin und einen Job mit einem Besuch bei meiner Familie verbinden kann.

Die Darsteller leben nicht um die Ecke. Wie tauscht ihr euch aus und wann seht ihr euch in der Besetzung das erste Mal?

Beatrix: Zum Glück gibt es heute Medien, über die man ganz unkompliziert miteinander kommunizieren kann, denn wir sind tatsächlich in alle Himmelsrichtungen verstreut: von Hamburg über Berlin und Dresden bis nach Italien. Erst am Tag vor der Show werden wir uns das erste Mal treffen, deshalb muss sich jeder zu Hause gut vorbereiten. Choreografien werden per Video verschickt und das eine oder andere Duett auch mal per Skype geübt. Die restliche Kommunikation läuft über E-Mail oder WhatsApp.

Melanie: Wir sind wirklich gerade alle überall verteilt. Am besten funktionieren Textnachrichten und Mails. Zwischen Beatrix und mir stehen momentan gerade Sprachnachrichten ganz hoch im Kurs – die meistens sehr lang ausfallen 😀

Aber ein direktes Telefonat ist nicht immer möglich, denn jeder ist unterschiedlich in seinem Tag eingebunden und so kann jeder sprechen und antworten, wenn er gerade Zeit und Muße hat.

Was erwartet die Zuschauer an dem Abend und was erwartet ihr von diesem besonderen Event? Wann ist die Musicalgala für euch ein gelungenes Event?

Beatrix: Die Zuschauer erwartet eine bunte Mischung aus den bekanntesten Musicalhits, tolle Stimmen, eine grandiose Liveband, schöne Kostüme, viel Spaß und gute Unterhaltung. Und wenn am Ende alle glücklich und zufrieden sind und mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Summen das Theater verlassen, dann war es für uns ein gelungenes Event!

Melanie: Die Zuschauer erwartet ein toller Mix aus den Highlights der großen Musicals, die schon einmal in Stuttgart gespielt haben. Mit einer Liveband auf der Bühne wird das ein grandioser Abend werden. Ich erwarte mir einfach nur eine Menge Spaß und Freude dabei und bin froh, wenn sich der Spaß, den wir auf der Bühne haben, auch auf das Publikum überträgt. Dann ist es für mich ein gelungener Abend.

Zu guter Letzt: Hier gibt’s Platz für eure persönlichen Grüße an Fans, Freunde und Weggefährten. Platz für die Menschen, denen ihr schon immer ein kleines, besonderes Dankeschön senden wolltet.

Beatrix: Ich möchte mich von ganzem Herzen bei meiner Familie bedanken, allen voran meinem Mann, denn ohne seine Unterstützung könnte ich nicht immer wieder meiner Leidenschaft nachgehen und auf der Bühne stehen. Dafür bin ich wirklich zutiefst dankbar.

Des Weiteren möchte ich mich natürlich auch bei Herrn Klein von der Stadthalle bedanken, für sein Vertrauen und die professionelle und herzliche Zusammenarbeit.

Melanie: Zuerst danke ich hier meinen Eltern, die mich immer in meinem Weg zum Musical und als Musicaldarstellerin unterstützt haben. Mein Vater rührt schon jetzt ordentlich die Werbetrommel!

Ich danke jetzt schon all den Leuten aus meiner Familie und meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die kommen werden. Ich danke überhaupt jedem Einzelnen, der sich schon dazu entschlossen hat oder noch entschließen wird zu kommen.

Natürlich danke ich Beatrix für die tolle Koordination vor Ort, denn sie ist die Einzige, die wirklich den gesamten Überblick behält, obwohl sie so viel um die Ohren hat. Ich danke der Stadthalle für die tolle Möglichkeit und allen, die noch in das Projekt involviert sind – ich kann unmöglich alle aufzählen. Ich grüße alle Musicalfans da draußen und hoffe, ihr kommt alle! Und ich danke dir, Petra, für euren tollen Support!

 

 

 

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