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    Künstler hautnah – Kommt mit auf Fotosafari

    Was früher in fast jedem Haushalt zu finden war, ist heute eine Rarität: Blechspielzeug. Den Künstlern Sebastian Köpcke und Volker Weinhold haben es vor allem die Tiere aus Blech angetan. Die Fotografen sammelten, was das Zeug hielt, und setzten die kleinen Tiere mit farbenprächtigen Fotografien in Szene. In der Ausstellung Mechanische Tierwelt in der Balinger Zehntscheuer könnt ihr bis zum 10. Juni auf Fotosafari gehen. Petra hat die Künstler bei der Vernissage getroffen und mit Sebastian Köpcke eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit gemacht. Ein Ausflug, der sich lohnt, weil er Bezug zu den Werken und den Menschen dahinter schafft.

     

    Kunst und Kultur werden #imländle großgeschrieben. Besonders spannend finde ich es, die Künstler kennenzulernen und mit ihnen einen Blick auf ihre Werke und ihr Leben zu werfen. Als uns Matthias Klein, Geschäftsführer der Stadthalle Balingen, fragte, ob wir über die Ausstellung Mechanische Tierwelt berichten wollten, freute ich mich. Als ich erfuhr, dass wir die zwei Fotografen bei der Vernissage treffen werden und ich sie zu ihrem Schaffen interviewen durfte, wurde aus Freude Begeisterung. Nach dem offiziellen Teil der Vernissage schnappte ich mir Sebastian Köpcke und quartierte mich mit ihm in einem kleinen Nebenzimmer der Zehntscheuer ein.

    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich liebe den Berliner Dialekt. Auch wenn er bei Sebastian Köpcke nur leicht durchkam – für mich hörte es sich direkt nach Berliner Schnauze an. Aber nicht nur darum fand ich Gefallen an unserem Gespräch. Der Berliner nahm mich an jenem Abend mit auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählte, wie es dazu kam, dass zwei Männer mit Blechspielzeug für Furore sorgen.

    Die Männerfreundschaft begann im Zug nach Warschau

    Sebastian Köpcke und Volker Weinhold lernten sich in den 80ern auf einer Reise nach Warschau im Zug kennen. Aus der Begegnung entstand eine Männerfreundschaft, die bis heute hält. Nach dem Studium waren beide im Austellungsbereich tätig und brachten sich bei den richtigen Leuten gegenseitig ins Gespräch. Die Idee zu dem Blechspielzeug entstand in Frankreich auf dem Trödelmarkt in Metz. Volker und Sebastian erwarben für ein paar Groschen eine kleine Blechente und kurze Zeit später fanden sie in Paris ihren zweiten kleinen Schatz, einen Pinguin.

    Zwei Männer, zwei Blechspielzeuge, eine Parkbank und eine Idee

    Mit diesen beiden Errungenschaften saßen die Männer auf einer Parkbank und beschlossen, Tierfotografen zu werden. Mit einem Augenzwinkern erzählte mir Sebastian Köpcke, dass die Aufnahmen von lebendigen Artgenossen recht aufwendig und witterungsabhängig seien. Es lag nahe, eine Alternative zu finden, die unabhängig von Wind und Wetter und dem Alter entsprechend umsetzbar war.

    Wie viel Artenvielfalt in unserer Tierwelt steckt, egal ob in heimischen oder exotischen Ländern, ob im Wasser oder in der Luft, faszinierte die beiden Herren von Beginn an. Mit dieser Faszination machten sie sich auf die Suche, sammelten Blechschätze und setzten sie mit Alltagsgegenständen und Utensilien artgerecht vor ihre Linse und in Szene.

    Das beste Bild ist viel mehr wert als der Ehrenkäs

    Ehrenkäs spielt bei ihren Fotosessions bis heute keine Rolle. Die beiden fotografieren jedes einzelne Blechspielzeug in eingespielter Zusammenarbeit. Wer dabei den Auslöser drückt, ist völlig wurscht. Am Ende zählt das beste Bild. Und genau das spiegelt sich in den Fotografien wider.

    Als alles begann, standen sie zwar nicht im Regen, aber mit einem Plan in der Tasche da und waren bereit für die Umsetzung. Die Ausstellung der mechanischen Tierwelt sollte ihren Platz nicht in Spielzeug-, sondern in naturhistorischen Museen finden. Auf die ersten Anfrage kam die Gegenfrage, ob sich die Künstler in der Adresse geirrt hätten. Was bitte habe Blechspielzeug in naturhistorischen Häusern verloren?

    Auf Regen folgt Sonne und die erste Ausstellung in der Schweiz

    „Da musste schon durchhalten und mehrmals Anlauf holen“, sagte mir Köpcke. „Aber der Dr. Toni Bürgin aus der Schweiz, der hat gleich verstanden, was wir wollten.“
    So kam es, dass die Ausstellung Mechanische Tierwelt von Sebastian Köpcke und Volker Weinhold ihre Premiere im Naturmuseum in St. Gallen feierte, und das erfolgreich. Museumsdirektor Bürgin hatte das richtige Gespür; mit seiner Entscheidung gab er den Startschuss für eine Erfolgsstory. Seither sind die Herren auf Fotosafari in ganz Deutschland und Europa unterwegs. Es folgten Berlin, Rotterdam, Oldenburg und Frankfurt, um nur einige der Städte zu nennen. Ach, ganz wichtig und eine Wiederholung wert: Bis zum 10. Juni sind die knallbunten Meisterwerke bei uns #imländle in der Zehntscheuer im beschaulichen Balingen zu erleben.

    Warum fotografieren und sammeln zwei Männer Blechspielzeug?

    Zu guter Letzt stellte ich mir und dann Sebastian Köpcke die Frage: Warum machen die das?

    Sebastian Köpcke lächelte: „Wissen Sie, Frau Nann, manch ein Besucher merkt, was er verloren hat, wenn er unsere Fotosafari erlebt oder vor den Blechspielzeugen steht. Spielzeug ist profan und ein ehrlicher Spiegel unserer Gesellschaft. Man lernt viel über die Zeit damals und wird vielleicht auch ein bisschen wehmütig.

    Als ich als kleiner Jung ein Schwungradauto unter dem Weihnachtsbaum auspackte, war die nächste logische Tat, das Ding auseinanderzubauen. Heute spielen unsere Kinder mit Nintendo und tauchen in eine realistische Spielwelt ab, haben aber keine Vorstellung, wie es funktioniert oder gebaut wurde. Das Verständnis für die Funktion fasziniert mich. Und so ein bisschen das Kind im Manne, ich geb’s ja zu.“

     

     

    Infobox

     

    Wo?  Zehntscheuer Balingen

     

    Wann? 09.03.2018 bis 10.06.2018  | Di.–So., Feiertage 14–17 Uhr

     

    Preis? 3 € (Gruppe 2,50 €), ermäßigt: 2 € (Gruppe 1,50 €), Familienkarte: 7 €, Vorschulkinder frei

     

    Kontakt: Zehntscheuer Balingen | Neue Str. 5 | Tel. 07433 9008-410

     

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