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    Endlich frei sein. Ein Erfahrungsbericht aus dem Frauenhaus

    Endlich frei sein. Ein Erfahrungsbericht aus dem Frauenhaus

    Der Erfahrungsbericht vom Frauenhaus wird euch präsentiert von dem Studio Move and Shine aus Balingen.
    Als ich Inhaberin Katrin von der Idee erzählte, im Zuge des Adventskalenders auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, war sie sofort mit von der Partie. In ihrem Studio werden Spaß, Gemeinschaft und Zusammenhalt nebst Groupfitness großgeschrieben. Die Entstehungsgeschichte von Move and Shine gibt’s hier zu lesen. Den Weihnachtsgruß von Move and Shine findet ihr am Ende des Beitrags.

     

    Jede vierte Frau ist Opfer häuslicher Gewalt.

    Darüber und über die Arbeit des Frauenhauses Zollernalb habe ich vor einiger Zeit berichtet. Aber: Statistik und Realität sind zwei paar Stiefel. Als ich erfuhr, wie viele betroffen sind, war ich schockiert. Als mich Sabine, eine betroffene Frau, zu Hause besucht, ist es mehr als das: Plötzlich sitzt die Statistik auf meiner Couch. Und zwar so herzzerreißend, dass von Zahlen keine Rede mehr sein kann.

    Sabine wurde in der Dominikanischen Republik geboren und ist auch dort aufgewachsen. Als junge Frau arbeitete sie in einem Restaurant und verliebte sich in ihren Chef Martin. Ein Deutscher, der sein Glück im Süden suchte. Die beiden heirateten und lebten mehr als acht Jahre gemeinsam auf der Insel. Sabine brachte zwei Kinder zur Welt. Die Beziehung lief nicht schlecht, auch wenn im Süden die Sonne der Liebe nicht immer schien. Aber Sabine war in ihrer Heimat, hatte ihre Freunde und den Rückhalt ihrer Familie. Sie fühlte sich sicher und geborgen.

    Sabines Ehemann ging zurück nach Deutschland

    Dann zog es ihren Mann nach Deutschland zurück. Die junge Mutter arrangierte sich mit einer Fernbeziehung, die fünf Jahre anhielt. Martins Wunsch nach einer „richtigen“ Familie in seinem Heimatland wurde größer. Zurück wollte er nicht. Irgendwann fasste Sabine schweren Herzens den Entschluss und zog im Jahr 2015 mit Sohn Nino und Tochter Mia in die Fremde zu ihrem Ehemann.

    Sie folgte ihm in ein fremdes Land

    Nicht nur das Klima wurde kälter. Die vertraute Herzlichkeit ihrer Freunde fehlte ihr, die warmherzige Mentalität ihrer Landsleute war weit weg und verstehen konnte sie auch niemand. Da saß sie nun, hauptsächlich in Martins Wohnung, und fühlte sich einsam und anders.

    Eine Bekannte legte Sabine ans Herz, Deutsch zu lernen. Martin war nicht sonderlich begeistert, lenkte aber ein. Der Unterricht in der gewählten Schule war nicht gut und fand lediglich einmal pro Woche statt. Die ersehnten Fortschritte blieben aus. Sabine wollte mehr und schneller lernen. Selbst die Dame vom Jugendamt, die bei der Eingliederung half, empfahl einen VHS-Kurs mit täglichem Unterricht. Martin wollte das nicht. Vielleicht weil er die Macht über sie und seine Kinder genoss und befürchtete, seine Ehefrau könnte dadurch zu eigenständig werden.

    Martin trank und war aggressiv

    Macht konnte er sonst kaum ausleben. Er verlor seinen Job und ertränkte das Minderwertigkeitsgefühl im Alkohol. Seine Gattin kam währenddessen mit einem Jobangebot um die Ecke. Das war zu viel des Guten. Schließlich war sie nur eine Frau. Und seine. Die aufmüpfige Dame sollte zu Hause bei den Kindern und unter seinen Fittichen bleiben. Martin wurde aggressiver, flippte wegen Kleinigkeiten aus und demonstrierte seine Überlegenheit mit Drohungen, versoffenem Gebrüll und harten Schlägen. Der 9-jährige Nino veränderte sich in dieser Zeit. Er wurde in der Schule auffällig, anderen Kindern gegenüber aggressiv; es war offensichtlich, dass etwas nicht stimmte. Seine Lehrerin machte sich Sorgen und rief bei Nino zu Hause an. Als sie mit dem Jungen sprach, brüllte Papa im Hintergrund: „Komm her, du Bengel, sonst prügle ich dich windelweich.“

    Die Lehrerin von Nino schaltete das Jugendamt ein

    Die Lehrerin reagierte sofort und richtig. Sie sprach mit Nino und informierte das Jugendamt. Zwei Tage später saß eine Familienhelferin mit Spanischkenntnissen bei Sabine und ihren Kindern am Esstisch. Nino erzählte von seinem Papa und wie böse der werden konnte. Dass er Angst um seine Mama habe und dass seine Schwester oft traurig sei. Auch Sabine vertraute sich der Familienhelferin an. Endlich gab es jemand, der sie verstand, und das nicht nur wegen der Sprachkenntnisse.

    Besser wurde es trotzdem nicht

    Martin wütete betrunken durch das Leben seiner Familie, der Terror hörte nicht auf. Sabine hatte nur einen Wunsch: Sie wollte zurück in ihre Heimat. Das Zusammenleben wurde unerträglich. Der Alltag war von Tränen, Schmerz und Angst geprägt. Zweimal eskalierte es so sehr, dass das Jugendamt eingreifen musste. Die Familienhelferin legte Sabine nahe, in ein Frauenhaus zu ziehen. Würde sie bleiben und es mit Martin nicht besser werden, müsste das Amt die Kinder aus der Familie herausholen.

    Martin lachte, als er davon hörte. Er machte seiner Frau Angst und erzählte Horrorgeschichten von Frauenhäusern. Es seien Bettenlager in verdreckten Häusern, die Kinder seien verwahrlost, es gebe nur ein Bad für alle und wenig zu essen. Solle sie doch gehen, sagte er und warf ihr die leeren Koffer vor die Füße.

    Sabine wurde unsicher. Was, wenn er die Wahrheit sagte? Wie könnte sie an solch einem Ort mit ihren Kindern leben? Die Verzweiflung wuchs. Wo war der Ausweg aus der Hölle, die ihr Mann aus ihrem Leben gemacht hatte? Wie war es so weit gekommen?

    Martin schlug seine Frau. Nino rief die Polizei

    Wenige Tage später rastete Martin erneut aus. Er schlug seine Frau so sehr, dass Nino Angst um das Leben seiner Mama bekam. Der Junge rief die Polizei. Die Beamten brachten Sabine und ihre Kinder mit ein paar ihrer Habseligkeiten und viel Angst im Gepäck in ein Frauenhaus. Martins Horrorgeschichten erwiesen sich als das Gegenteil von dem, was die heute Vierzigjährige damals in dem Frauenhaus erlebte. Die Frauen kochten gemeinsam, die Kinder spielten und es gab schöne Familienzimmer mit eigenem Bad und Platz für alle. Selbst Nino konnte bald wieder lächeln. Bevor sich das Sicherheitsgefühl endgültig einstellen konnte, fand Martin den Aufenthaltsort der drei heraus. Sabine musste wieder die Koffer packen und in den folgenden Monaten in zwei weitere Einrichtungen fliehen.

    Heute kann Sabines Herz wieder lachen

    In der letzten Einrichtung kehrte endlich die langersehnte Ruhe ein. Die Ehe mit Martin und seine Gewalt sind nun Vergangenheit. Heute lebt Sabine mit ihren Kindern in ihrer eigenen Wohnung. Mia und Nino haben Freunde gefunden und dürfen mit ihrer Mama eine friedliche und gewaltfreie Kindheit erleben.

    Als Sabine mir bei ihrem Besuch von ihrem neuen Leben erzählt, strahlen ihre Augen. Sie sagt: „Endlich kann mein Herz wieder lachen.“

    Ich wünsche dir, liebe Sabine, dir, lieber Nino, und dir, liebe Mia, ein gesegnetes Weihnachtsfest und friedliche gemeinsame Stunden. Für das Jahr 2018  wünsche ich euch weiterhin lachende Herzen. Auf dass ihr das Leben und alles, was die Zukunft bringt, in vollen Zügen genießen könnt. Petra

    Die Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert.

     

     

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