Wie im Himmel

Über zwanzig Jahre ist es her, seit ein paar Damen aus einem Kirchenchor abenteuerlich wurden und etwas „Flotteres“ ausprobieren wollten. Zu ihrem großen Glück war eine Musiklehrerin unter ihnen. Sie bot an zu helfen, binnen kürzester Zeit sangen dreißig (überwiegend Frauen) mit und der Gospelchor Friends  war geboren. Von Beginn an wurde wöchentlich geprobt und es fanden die ersten Auftritte in der eigenen Gemeinde statt. Nach sechs Jahren erklärte die Chorleiterin: „Ihr seid jetzt einfach zu gut, ich kann euch nicht mehr weiterbringen.“ Daraufhin übernahm Patrick die Leitung und später dann Anton. Mit ihm kamen die öffentlichen Auftritte bei Hochzeiten und anderen Konzerten. Routine kehrte ein, aber der Spaß zog bei den bis zu sechzig Sängerinnen und Sängern niemals aus.

Seither sind viele Jahre ins Land gezogen. Anton ist immer noch dabei.

Als ich den Chor im Gemeindehaus Ofterdingen besuche, ist er es, der so was von in die Tasten haut, dass ich zu den Klängen seines Klaviers am liebsten gleich mitsingen würde. Aber das überlasse ich lieber denen, die talentierter mit ihrer Stimme umgehen können als ich. Eines ist bereits nach den ersten Strophen sonnenklar: Die Friends haben es drauf, die können singen. Und sie bewegen sich. Während sie singen, schnippen sie mit den Fingern, schwingen die Hüften, nicken mit dem Kopf und leben den Rhythmus. Für uns Schwaben nicht immer selbstverständlich und durchaus eine Erwähnung wert. Was ich sehe und höre, ist ansteckend und macht Spaß.

Bei einem Gläschen Sekt unterhalte ich mich mit vier Frauen aus dem Chor. Insgeheim überlege ich, ob meine Talentfreiheit wirklich so extrem ausgeprägt ist, dass ich niemals mitmachen kann. Die Frage muss ich eindeutig mit ja beantworten, auch wenn ich die Stimmung im Ofterdinger Gemeindehaus wirklich als sehr speziell empfinde.

Musik verbindet, und der lebende Beweis tanzt, singt und sitzt an jenem Frühlingsabend vor mir.

Die Damen bestätigen mein Gefühl und erzählen von unterschiedlichsten Menschen, die eine Leidenschaft verbindet, durch die Freundschaften entstehen können. Von Laufgruppen, Stocherkahnfahrten, Weihnachtsfeiern, Wander- und Probewochenenden erzählen sie. Da wird miteinander gelebt. Ein bisschen „wie im Himmel“, und das im positiven Sinne auf die Echtheit der Freude und Freundschaften bezogen.

Dieses Jahr ist Jubiläumsjahr.

Der Chor teilt seinen Erfolg und spendet über das Jahr hinweg Einnahmen an die  ARCHE IntensivKinder gGmbH in Kusterdingen-Mähringen. Eine ganz feine Sache ist das. Am Sonntag, 2. April 2017 steht der Gospelchor Friends in der Mauritiuskirche in Ofterdingen auf der Bühne. Ich bin sehr gespannt darauf, den Chor jenseits seines Proberaums, in feiner Einheitsrobe, mit Publikum und Applaus zu erleben. Infos zur Veranstaltung und weiteren Terminen gibt es hier. Für all diejenigen, die ein bisschen besser singen können als ich, ist übrigens immer ein Plätzchen im Chor frei. Vor allem Männer werden gesucht – und hoffentlich bald gefunden.

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Dezember 23, 2019

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  • #bezahlterbeitrag Ihr kennt das: Man läuft 100 Mal an ein und derselben Sache vorbei, bis man beim 101. Mal einen besonderen Blickwinkel erwischt und das Ganze irgendwie einen ganz neuen Zauber bekommt.

Okay, das war jetzt vielleicht etwas kompliziert beschrieben. Vielleicht versteht ihr es besser, wenn ich euch diese sieben besondere Blickwinkel auf Reutlingen präsentiere – oder ihr euch 1000 und 1 Nacht von Klaus Lage anhört. Was immer ihr auch tut: Viel Spaß dabei – und immer die Augen und Ohren aufhalten. Man könnte ja eine ganz alltägliche Sache neu entdecken.

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Ich bin die Tochter eines Hobbyfliegers, folglich genieße ich es schon von Kindesbeinen an, aus der Vogelperspektive auf Landschaften zu blicken. Was ich damit sagen will: Der Blick auf die Altstadt von oben allein reicht nicht. Nein, ihr solltet auch auf den südlich gelegenen Georgenberg wandern und von dort die Aussicht auf die Reutlinger Mitte genießen. Glaubt mir, es lohnt sich – vor allem, wenn gerade die Sonne aufgeht. Außerdem ist der Georgenberg nicht ganz so überlaufen wie die Achalm.

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Ein besonderer Blickwinkel muss nicht immer der von oben oder von der Rückseite aus sein, man kann ihn auch mal von der geschichtlichen Seite sehen. Im Garten des Heimatmuseums befindet sich ein ehemaliges Portal der Stadtmauer. Vor Hunderten von Jahren sind die Stadtbewohner durch das Portal ein und aus gegangen und mit viel Fantasie kann man das fast bildlich vor sich sehen – ein besonderer Blickwinkel auf Reutlingens Geschichte, nicht wahr?

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Wenn man das Reutlinger Wahrzeichen googelt, fällt auf, dass es fast ausschließlich von der Seite der Stadthalle aus fotografiert wurde. Schade eigentlich, denn für mich ist das Tor gerade von der Katharinenstraße aus besonders hübsch anzuschauen. (Maya) ... Den ganzen 7er könnt ihr jetzt auf www.imlaendle.de lesen (Link in der Bio.) #reutlingen #sehenswürdigkeiten #blickwinkel #imländle #liebensieben #sieben #blogger #blogger_de #neuesentdecken #entdecken #visitbawu #bawü

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